Zwischen allen Fronten: Den Menschen so fern – Film-Feature zum Kinostart

Mit Daniel Oelhoffens Erweiterung der Camus’schen Existentialironie kommt nicht nur ein grandioser Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis, sondern auch die Frage: Wann ist ein Mann ein Mann?

Es steckt etwas Wunderbares darin, wie viel schon gesagt ist, wenn man einen Film als »Western« bezeichnet. Panoramaaufnahmen von rauen, aber natürlich umso schöneren Landschaften. Konflikte auf Leben und Tod. Sonnengegerbte Männergesichter, die mehr Gefühle verbergen als zeigen. Hinterhalte mit verborgenen Gewehrläufen. Ab und zu ein Lagerfeuer. All das und noch viel mehr bietet Den Menschen so fern (Originaltitel: Loin des hommes), in dem der französische Regisseur Daniel Oelhoffen eine Art Fusion wagt zwischen einer Kurzgeschichte von Albert Camus und der Groß-Western-Geste eines Anthony Mann. Es zeigt sich, dass beides zusammenpasst wie asiatisches Zitronengras und italienisches Risotto.

Oelhoffen nimmt Camus’ Novelle Der Gast als Ausgangspunkt: Im Algerien des Jahres 1954 wirft der Krieg seine Schatten voraus. Auf einem abgeschiedenen Felsplateau im Atlasgebirge lebt der Lehrer Daru (Viggo Mortensen) im Gebäude seiner Einraumschule. Sein Frieden wird gestört von französischen Gendarmen, die von ihm verlangen, den in Haft genommenen Araber Mohamed (Reda Kateb) in die nächste Stadt zu bringen, da sie ihren Posten nicht verlassen können. Mohamed hat seinen Cousin getötet und ist geständig, aber Daru zeigt wenig Eifer, sich zum verlängerten Arm des Gesetzes zu machen. Letztendlich bleibt ihm nichts anderes übrig, und genau da setzt Oelhoffens Erweiterung der Camus’schen Existentialironie an.

Wo Daru in der literarischen Vorlage die Entscheidung Mohamed überlässt (und dann feststellen muss, dass Sich-raushalten keine Option ist), schickt Oelhoffen seine Helden gemeinsam auf den Weg. Wie einst Sergio Leones Zwei glorreiche Halunken geraten sie zwischen alle Fronten des beginnenden Algerienkriegs. Zwar zeichnet Oelhoffen die Konfliktparteien nach heutigen Maßstäben gewissermaßen politisch korrekt, aber die wunderbare Musik von Nick Cave und Warren Ellis und das herrlich zurückhaltende Spiel von Viggo Mortensen unterstreichen, dass es dem Film mehr um die Kernfrage von Western und Existenzphilosophie gleichermaßen geht: Wann ist ein Mann ein Mann?

Den Menschen so fern
Frankreich 2014
Regie: Daniel Oelhoffen
Mit Viggo Mortensen, Reda Kateb u. a.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.