Zu Tode tanzen: Acht Songs zur Zeit von Fishbach

Foto: Yann Morisson

Fishbach ist 1991 geboren und doch ein Kind der Achtziger. Die ganze Synth-Pop-Kiste bedeutet aber noch lange nicht, dass ihre Welt eine heile ist: Über acht Songs erklärt uns Frankreichs nächster Superstar, warum sie mit politischen Aussagen subtil bleiben will und Patti Smith ihre Mutter ist.

Als wir Fishbach in einem hippen Berliner Café treffen, wird sie gerade erst wieder richtig zum Menschen. Für eine durchzechte Nacht inklusive gestohlenem Portemonnaie, zwei Stunden schlechtem Schlaf und keinerlei Frühstück wirkt Frankreichs Synth-Pop-Hoffnung erstaunlich erholt und energiegeladen. Vielleicht hat ihr verkaterter Morgen noch nicht wirklich angefangen, vielleicht ist sie aber auch tatsächlich der Vollprofi, den viele in ihr sehen.

Fishbach heißt mit Vornamen Flora Francoise Claudine (wie sie unter dem Gelächter ihrer Begleiterinnen zugeben muss) und wird von Kritikern wie Fans als aufsteigender Stern der französischen Popmusik gehandelt. 1991 geboren und doch ein Kind der Achtziger –Fishbachs Musik zieht ihre Inspiration ganz offensichtlich aus dem koksigsten aller Jahrzehnte. Das ist kein Hypesegeln, sondern wahre Liebe zu einem Sound: „Leute sagen oft, der Achtziger-Vibe ist ein Trend, der kommt und wieder geht. Aber Sorry: den Hype gibt es seit über zeh Jahren. Es geht nicht darum, dass die Musik trendig ist, sondern dass sie gut ist.“

Flora Fishbach legt hin und wieder auch Platten auf, sieht sich aber nicht als DJ – „wenn, dann Bar-DJ“. Trotzdem haben wir sie gebeten, uns eins ihrer typischen Sets auszudenken. Mit dabei natürlich: Achtziger, Queer-Pop-Classics und mitreißende Melancholie: „In meiner eigenen Musik rede ich über den Tod und tanze dabei, so mag ich das: Fröhlich bis einem auffällt, wie traurig sie eigentlich ist.

Telex
„Rendez-Vous Dans L’Espace“
Vom Album Looney Tunes (1988)

Los geht es mit Telex, der Track heißt „Rendez-Vous Dans L’Espace“. Das ist ein guter Track für den Anfang, weil er ein langes Intro hat und die einzigen Vocals sind diese seltsam harmonischen Frauenstimmen. Ein Beat, drei Akkorde und das war’s. Dazu könnte ich immer tanzen. Wenn der läuft wissen die Leute: DJ Fishbach ist an den Decks. Are You Ready?

Das klingt super! Von Telex kenne ich nur wenig.
Die haben damals auch viele Cover gemacht von Rockabilly- und Rock’n’Roll-Hits. Wissen Sie: Heute sagt man die jungen Bands sind von der Musik der Achtziger beeinflusst. Aber damals waren die Leute von den Sechzigern beeinflusst. Man findet dort viele Rockabilly- und Rock’n’Roll-Anspielungen. Die Sounds sind dabi natürlich Neue, doch die Harmonien und Kompositionen der Achtziger sind oft sehr Sixties.

Murray Head 
„One Night in Bangkok“
Vom Soundtrack-Album Chess (1984)

Murray Head ist ein amerikanischer Künstler, der viel langweiligen Pop- und Folk produziert hat. Aber er hat diesen Song „One Night In Bangkok“. Wenn man ihn hört, denkt man: Oh da ist ja fast gar nichts in diesem Track. Ein bisschen Bass, ein bisschen Schlagzeug, manchmal ein Synth. Aber tatsächlich ist der Song wirklich groß und smart produziert. Das ist so ein Track, den ich gerne gemacht hätte.

Sie produzieren ihre Musik selbst, nicht wahr?
Ja, es beginnt bei mir auf dem iPad, weil man dort verspielt Ideen entwickeln kann. Dann kommt der Song auf den Computer, um ihn auszuproduzieren, zu mixen und zu arrangieren. Beim Aufnehmen und Abmischen brauche ich noch Hilfe, aber ich bin schon ein Geek und hänge manchmal zwölf Stunden am Tag am Computer ab.

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