SATC war aber mehr als eine Kleiderparade. Die Serie hatte auch eine Handlung und an dieser scheiden sich die Geister. Eine ganze Reihe von Autorinnen widmete sich der Frage, ob man SATC als Feministin gut finden darf. Befürworterinnen betonen, dass hier zum ersten Mal Frauen über 30 gezeigt wurden, von denen immerhin eine (Samantha) sich weder Kinder noch Ehemann wünschte, und die beim Cosmopolitanschlürfen zwischendurch auch mal über was Anderes als Kerle parlierten.

Andere verurteilen SATC als Urhort des Bösen, als üble Brutstätte des neoliberalen Lipstick Feminism, der Frauen zu willigen Sklavinnen eines kapitalistischen-sexistischen Schweinesystems erzog. In der New York Post berichtete eine Autorin in einem schweren Anfall von Mimimi, SATC habe ihr Leben ruiniert. Die Serie habe ihr eingeflüstert, es sei glamourös, sich sexy anzuziehen, Alkohol zu trinken und herumzuvögeln. Außerdem habe sie, inspiriert vom Beruf der Protagonistin Carrie, eine schlechtbezahlte Stelle als Kolumnistin angenommen. SATC sei deshalb schuld daran, dass sie, mittlerweile über 40, immer noch unverheiratet sei und immer noch kein Eigentumsloft mit Dachterrasse plus Ferrari besäße. Sie sei nun dazu gezwungen, zölibatär auf Bali zu weilen und ihren Lebensabend mit nichts als Yoga erträglicher zu gestalten.

Die Welt ist in den letzten 20 Jahren komplizierter geworden. Wir sind um die Erfahrung reicher, dass Hedonismus uns nicht retten wird. Wir sind prüde geworden und vergnügungsmüde. Wir wollen raus aus den Städten, die wir uns nicht mehr leisten können. Sex taucht in den Medien nur noch in der unfreiwilligen Variante auf. Wir sind misstrauisch geworden und wittern überall Unterdrückung und Verrat. Für heutige Sehanforderungen sind Carrie & Co. einfach zu dünn, zu weiß, zu heterosexuell.

Die Welt ist in den letzten 20 Jahren komplizierter geworden. Wir sind um die Erfahrung reicher, dass Hedonismus uns nicht retten wird. Sex taucht in den Medien nur noch in der unfreiwilligen Variante auf.

Ähnlichkeiten mit dem echten Leben hatte die Serie jedoch in dem Punkt, dass die Geschichte der vier Freundinnen irgendwann auserzählt war. Jede ging ihrer Wege und hatte einfach keine Zeit oder auch keine Lust mehr auf die ewigen Champagner-Frühstücke und Nachtclub-Exzesse. Carrie bekam ihren Mr. Big. Charlotte und Miranda bekamen Kinder. Samantha bekam Brustkrebs.

Damit hätte es aufhören sollen, stattdessen kamen noch zwei unsägliche Filme, von denen einer buchstäblich schlimmer war als der andere. Während der erste in weiten Teilen ein Werbefilm der Immobilienbranche zu sein schien, aber mit Carries Vivienne-Westwood-Brautkleid samt auf den Kopf montierten Vogel zumindest noch einen modischen Höhepunkt bot, war der zweite einfach nur dumm, rassistisch und vor allem todlangweilig.

Vielleicht sind 20 Jahre zu kurz, um die popkulturelle Bedeutung von SATC angemessen beurteilen zu können. Die Motive sind uns noch zu nahe, und die Abwehrreflexe dagegen sagen viel über die Schwierigkeiten, sich als weibliches Wesen ästhetisch und sexuell in der Gegenwart zu verorten. Alle, die weiterhin der Meinung sind, dass Frauen auch jenseits des gebärfähigen Alters ruhig saufen und sich teure Schuhe kaufen sollten, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, sind in der Zwischenzeit mit Absolutely Fabulous besser beraten.