Review: Zion I True & Livin’

Mit den Rapcrews der Westküste, vor einigen Jahren auch in der SPEX einmal ein großes Thema, ist das mittlerweile ja so eine Sache. Zion I könnten durchaus als beispielhaft für den Status Quo bezeichnet werden. Einerseits gibt es handwerklich sehr gute Produktionen, sichere Rapstile mit den richtigen Inhalten, andererseits existiert oft diese gepflegte Langeweile, die einem das Indierapding mit seinem Kicksnarehihat-Konzept schon mal madig machen kann. Wobei gerade Zion I da doch irgendwie die Ausnahme bilden, war schon ihr Debüt mit Drum’n’Bass-Anleihen mehr als untypisch. Auch auf dem neuen Werk öffnet man sich unorthodoxeren Beatstrukturen, inkorporiert Blues, Outkastsche Fastpacepatterns oder lässt, wie etwa bei der Regionshuldigung »The Bay«, auf weiten Strecken die Kickdrum weg. Oder mischt gar Marschrhythmen mit Rockgitarren, um der Kritik an der neuen Welt das entsprechende Gerüst zu verleihen (»America«). Neben den genannten Tracks gibt es aber genug, die sich zwischendurch in tausendmal durchexerzierten Weisen verlieren. Obwohl, packend ist es doch, gerade wenn es etwas schneller wird, wie etwa bei dem grandiosen »I Need Mo«, das kongenial Beziehung, Musik, Liebe und all das thematisiert und sich mit Keys, Vibes und schönen Horns in die Hirnrinde brennt. Überhaupt hat Produzent Amp Live ein Händchen für slicke Hornsections, und wenn Rapper Zion über HipHop aus der Vogelperspektive berichtet (»Bird’s Eye View«), kann man als sensitiver Bboy schon mal wässrige Augen kriegen. Die Gästeliste könnte beispielhafter kaum sein (Talib Kweli, Gift of Gab, Aesop Rock und der seiner Form leider immer mehr hinterherhinkende Del von den Hieroglyphics), und ich komme bei weiterem Genuss des Albums zu dem Entschluss, dass es um die Leftcoast doch nicht so schlimm bestellt ist, wenn man Zion I als Beispiel nimmt. Nur diese retardierenden Momente, teilweise konzeptimmanent und sicherlich auch bedingt durch die eigene Erwartungshaltung, schmälern den Genuss ein wenig. Bis jetzt machen Zion I aber alles andere als einen schlechten Job – oder wie Zion es im imaginären Gespräch mit dem weiblichen Gegenüber formuliert: »I ain’t perfect«.

LABEL: Live Up

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 18.04.2005

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