Review: Zion I The TakeOver

Oakland, Kalifornien, ehemals das Zentrum der Black Panther Bewegung, ist dieser Tage immer noch in Teilen ein recht ungemütliches Pflaster. Ungeachtet der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Repressalien hat sich hier aber auf lokaler Ebene die so genannte ›Hyphy‹-Kultur etabliert, die musikalisch mit ihren Vertretern wie etwa E-40 oder Keak da Sneak eine eigene Spielart der Rapmusik repräsentiert. Auch Zion I stammen aus Oakland, dennoch sind sie eher den klassischen unabhängigen Rapkünstlern à la Rhymesayers zuzuordnen. Obwohl gerade ihr neues Werk wohl auch endgültig für den längst überfälligen Respekt in ihrer Heimatstadt sorgen wird, da »The TakeOver« sicherlich ihr ›hyphyesquestes‹ Album ist und bestens in den Jeeps an der Küste pumpen kann.

    Man sollte dennoch nicht soweit gehen, Zion I in irgendwelche Schulen zu verordnen, denn Produzent Amp Live und Mc Zion verstehen es seit ihrem ersten Album, sich immer wieder neu zu erfinden. Redudanz wird sehr extrovertiert vermieden: sich bloss nicht wiederholen, frisch bleiben, scheint das Motto zu sein. Dabei fließen in ihre Musik die unterschiedlichsten Stile mit ein, was Puristen gerne mal erschaudern lässt, in Vollendung aber richtig und wichtig erscheint – gerade in dem an erzkonservativen Verbohrtheiten nicht armen Genre namens Rapmusik.

    So ist es nach klassischem Boom Bap und Drum’n’Bass auf ihrem ersten Album nun bei »The TakeOver« vor allem die 808, die in verschiedensten Spielarten den roten Faden des Albums ausmacht. Schon der Eröffnungstrack »Geek to the Beat« ist ein schweres Geschütz, das zwischen dem Erbe Run DMCs und der juvenilen Freude der Cool Kids genau seinen Platz findet. »Antenna«, mit seinem behäbigen, fast in trancige Gefilde fließenden Elektrosoul, mausert sich nach mehrmaligem Hören zu einem heimlichen Hit und beschreibt treffend das Suchen der Seele im aktuellen Weltgeschehen. Außerdem finden sich Annäherungen an Baile Funk (»DJ DJ«) inklusive geschichtsbewusster Abarbeitung an den Gründervätern von Kool Herc bis Afrika Bambaataa, Slapstickbrasseinlagen auf »Gumbo«, Achtzigermelodien mit Houstoner Countrystyles (»Country Baked Yams« feat. Devin The Dude), bis das ganze schließlich bei dem Track »Legacy« feat. Ty in Broken Beats britischer Schule kulminiert.

    Sicherlich ist dieser vehemente Stilpluralismus auch fragwürdig, da schnell der Eindruck entsteht, an möglichst vielen Orten andocken und sich anzubiedern zu wollen. Gerade der Ausflug in europäischere Gefilde gestaltet sich oft schwierig, andererseits: welche amerikanische Rapband auf dieser Ebene nimmt heutzutage noch mit britischen MCs einen Track auf? Gerade der unnachahmliche Reimfluss von MC Zion wirkt wie ein Amalgam, dazu kommt die wuchtige Kraft der Breaks und Beats, die das Fundament eines jeden noch so weiten Ausflugs bilden. »This system does not work for us, so we must take this system over and make it work for us«, skandiert Zion zu Beginn der Platte und leitet damit den »TakeOver« ein. Es wäre ihnen zu wünschen, dass es diesmal endlich klappt.

LABEL: Gold Dust Media

VERTRIEB: Alive

VÖ: 23.01.2009

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