oren außerhalb der traditionellen Musikindustrie bestimmt wird, zeigt das neueste Beispiel aus den Staaten. Das Klischee des Prozess-befeuernden Amerikaners sitzt ja nun nicht gerade locker im Kopf vieler Europäer, da passt die Klage einer amerikanischen Familie locker ins Bild.

Das F-Wort war Stein des Anstoßes, gefunden auf der Live-CD/DVD "Anywhere But Home" von Evanescence. Gut, dieses Wort findet sich auch mehrmals auf dem neuen Eminem-Album, aber das wird auch nicht bei "Wal-Mart" verkauft (zumindest nicht in der Original-Version). Die US-Supermarkt-Kette betreibt in ihren Filialen CD-Shops, in denen ausnahmslos "Clean Music" verkauft wird. Musik, die nicht aneckt, keine anstössigen Wörter verwendet und auch ansonsten schön sauber ist. Im Fall von Evanescence fehlte auf der CD/DVD ein Hinweissticker, der auf die "bösen" Worte aufmerksam macht. Und so kaufte sich die 13-jährige Melanie Skeens in einem Wal-Mart in Maryland anstaltslos das Album, hörte es auf der Rückfahrt im Auto ihrer Eltern, die sich nach der Entdeckung des gravierenden Mangels empört gegenüber Wal-Mart zeigten und ihren Anwalt einschalteten. Mittlerweile liegen die Forderungen gegenüber Wal-Mart vor: Entweder müsse das Album zensiert oder aus den Läden entfernt werden. Außerdem solle eine Entschädigung in Höhe von 74.500 US-$ pro Kunde des Albums gezahlt werden. Wal-Mart macht derweil noch keine Anzeichen, die Platte aus dem Angebot zu nehmen bzw. inhaltlich zu verändern.

Dieser Fall zeigt verschiedenes: Die künstleriche Freiheit in den USA ist massiv dem Kundeninteresse untergeordnet – zumindest wenn Bands ihre Alben oder Singles in den USA flächendeckend vermarkten wollen. Dadurch können sich viele Musiker abgeschreckt zeigen und in Zukunft auf bestimmte Formuliereungen verzichten – eine Selbstzensur, die vielleicht noch schlimmer wiegt als ein ständiges Pipen auf einem Album. Auch der Hörer als mündiges Wesen wird in Frage gestellt. Elternverbände und Industrie wissen selbst am Besten, was gut für ihre Kinder ist. Eine Auseinandersetzung mit Inhalten auf familiärer Ebene wird ausgeblendet, sie wird dadurch auch liberaleren Familien abgesprochen.

Eines ist jedenfalls sicher: Dieser Fall wird erneut Klischees zementieren. Vor allem, weil Jon D. Pels, Anwalt der Familie Skeels, bereits ankündigte, »diesen Fall auf nationale Ebene zu bringen, sogar wenn dies bedeute, von Staat zu Staat zu wandern.«

Über die Musik von Evanescence wird man an dieser Stelle nicht streiten müssen, daran wird wohl kaum ein SPEX-Leser all zu schwer hängen. Wie sehr amerikanische Musik allerdings von Faktoren außerhalb der traditionellen Musikindustrie bestimmt wird, zeigt das neueste Beispiel aus den Staaten. Das Klischee des Prozess-befeuernden Amerikaners sitzt ja nun nicht gerade locker im Kopf vieler Europäer, da passt die Klage einer amerikanischen Familie locker ins Bild. nnDas F-Wort war Stein des Anstoßes, gefunden auf der Live-CD/DVD "Anywhere But Home" von Evanescence. Gut, dieses Wort findet sich auch mehrmals auf dem neuen Eminem-Album, aber das wird auch nicht bei "Wal-Mart" verkauft (zumindest nicht in der Original-Version). Die US-Supermarkt-Kette betreibt in ihren Filialen CD-Shops, in denen ausnahmslos "Clean Music" verkauft wird. Musik, die nicht aneckt, keine anstössigen Wörter verwendet und auch ansonsten schön sauber ist. Im Fall von Evanescence fehlte auf der CD/DVD ein Hinweissticker, der auf die "bösen" Worte aufmerksam macht. Und so kaufte sich die 13-jährige Melanie Skeens in einem Wal-Mart in Maryland anstaltslos das Album, hörte es auf der Rückfahrt im Auto ihrer Eltern, die sich nach der Entdeckung des gravierenden Mangels empört gegenüber Wal-Mart zeigten und ihren Anwalt einschalteten. Mittlerweile liegen die Forderungen gegenüber Wal-Mart vor: Entweder müsse das Album zensiert oder aus den Läden entfernt werden. Außerdem solle eine Entschädigung in Höhe von 74.500 US-$ pro Kunde des Albums gezahlt werden. Wal-Mart macht derweil noch keine Anzeichen, die Platte aus dem Angebot zu nehmen bzw. inhaltlich zu verändern.nnDieser Fall zeigt verschiedenes: Die künstleriche Freiheit in den USA ist massiv dem Kundeninteresse untergeordnet – zumindest wenn Bands ihre Alben oder Singles in den USA flächendeckend vermarkten wollen. Dadurch können sich viele Musiker abgeschreckt zeigen und in Zukunft auf bestimmte Formuliereungen verzichten – eine Selbstzensur, die vielleicht noch schlimmer wiegt als ein ständiges Pipen auf einem Album. Auch der Hörer als mündiges Wesen wird in Frage gestellt. Elternverbände und Industrie wissen selbst am Besten, was gut für ihre Kinder ist. Eine Auseinandersetzung mit Inhalten auf familiärer Ebene wird ausgeblendet, sie wird dadurch auch liberaleren Familien abgesprochen. nnEines ist jedenfalls sicher: Dieser Fall wird erneut Klischees zementieren. Vor allem, weil Jon D. Pels, Anwalt der Familie Skeels, bereits ankündigte, »diesen Fall auf nationale Ebene zu bringen, sogar wenn dies bedeute, von Staat zu Staat zu wandern.«