»What an army!«

bill-callahan-america    »I thought, it was beautiful«, antwortete Jimi Hendrix einst in einer Talkshow, als er gefragt wurde, warum er die amerikanische Hymne in Woodstock so »unorthodox« (gemeint war natürlich »respektlos«)  gespielt habe. Man muss davon ausgehen, dass der Sänger und Songwriter BILL CALLAHAN im Grunde ganz ähnlich über jenes America! denkt, das er auf seinem neuen Album Apocalypse besingt. Ganz dem Minimalismus und der LoFi-Ästhetik seines früheren Projekts Smog verhaftet, reiht Callahan in dem Song lose Assoziationen und kurze Aphorismen über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aneinander. »Captain Kristofferson […], Sergeant Cash – what an army! […] And I never served my country", singt er an einer Stelle. "Ain't enough to eat … in America", heißt es dagegen am Ende des Liedes. Callahans Versuch, mit Hilfe solcher Gedankenfetzen Heimatgefühle, scheinbar tiefgründige Ironie und plumpe Gesellschaftskritik zu verbinden, wirkt unausgegoren und ist deshalb zum Scheitern verurteilt. Den zitierten Vorbildern kann er so jedenfalls nicht das Wasser reichen.

    Umso gelungener ist das Zeichentrick-Video zu America! des texanischen Künstlerkollektivs Okay Mountain. Die losen Assoziationsketten Callahans setzen die Mitglieder der Gruppe in bunte Postkartenbilder um, inklusive Hendrix-esker brennender Gitarren und jeder Menge Star Sprangled Banners. Gerade weil sie dabei die Klischees so grell und naiv überzeichnen, gelingt ihnen ein verstörendes und gleichzeitig betörendes Amerika-Bild. Beautiful!

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VIDEO: BILL CALLAHAN – America!

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