Youth Lagoon »Savage Hills Ballroom« / Review

Auch wenn Trevor Powers auf Savage Hills Ballroom häufiger aus seiner Kissenburg herausspäht, bleibt er zum Glück im Herzen ein Traumtänzer.

Selbst das beste Fort aus Kissen und Decken kann die Realität nicht ewig aus dem eigenen Schlafzimmer fernhalten. Zwei Alben lang hielt das Bollwerk von Trevor Powers, der als Youth Lagoon kindlich-verspielten, aber enorm cleveren Neo-Psychedelia-Pop zusammenschusterte. »You’ll never die, you’ll never die«, trällerte der 26-Jährige aus Boise, Idaho auf seinem letzten Album Wondrous Bughouse mit so viel Inbrunst, dass man ihm glauben musste. Dann riss der Tod eines Freundes Powers aus seinen eskapistischen Schwelgereien. Und so beginnt das neue Album Savage Hills Ballroom mit dem klagenden »Officer Telephone«, das sich nach zaghaftem Beginn zu einem ungewohnt brachialen Finale auftürmt: »I’ve yelled your name through fields alone / All I want is for you to come home.«

Doch es braucht gar nicht erst solche Tragödien, um den Träumereien ein Ende zu setzen. Das schafft auch der ganz gewöhnliche Alltagstrott. »And we kiss again / And we sleep again / And computer again / And computer again«, lamentiert Trevor bei »Again«, das dank des minimalistischen Beats mit wummerndem Bass wie Youth Lagoons verquere Vorstellung von HipHop klingt – zumindest solange man die kurzen kammermusikalischen Intermezzi ignoriert. Überhaupt wirkt Savage Hills Ballroom mit Streicher- und Bläserarrangements zugleich opulenter und reduzierter als sein Vorgänger, weil es auf den ausgiebigen Gebrauch von Hall und anderen Effekten verzichtet, der bei Wondrous Bughouse für das verwaschene, zerfließende Gesamtbild sorgte.

Auch wenn Trevor Powers auf Savage Hills Ballroom nun häufiger aus seiner Kissenburg herausspäht, bleibt er zum Glück im Herzen ein Traumtänzer, der zwar über Polizeigewalt und den Drogenmissbrauch seines Onkels singt, jedoch immer mit goldenem Lippenstift auf den Schmolllippen. Seine zittrige, manchmal fast quengelnde Stimme erinnert dabei an ein Kleinkind, das vom Donner unsanft geweckt wurde. Und so beendet er konsequent beide Hälften seines dritten Albums mit instrumentalen Schlafliedern. Zurück ins Fort!

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