Xul Zolar „Fear Talk“ / Review

Phil Collins, Pet Shop Boys, New Order: Fear Talk von Xul Zolar ist voller Referenzen – ein fast zu perfektes Debüt-Album.

Jede Wette, dass Xul Zolar auf dem Flohmarkt gern Ausschau nach Platten aus den Achtzigern halten. Fear Talk, das Debütalbum der vier Kölner, wirkt wie eine Hommage an den frühen Synthie-Pop von Bryan Ferry oder der Pet Shop Boys. Die Melodie von „Combat“ hat sich die Band bei Phil Collins geborgt, „NYE“ klingt verdächtig nach „Wonderful Life“ von Black, und die Bassgitarre in „Soft Drones“ erinnert an New Order zu Peter-Hook-Zeiten.

Aber genug der Referenzen. Einigen wir uns darauf, dass Xul Zolar musikalisch eher nostalgische Typen sind. Doch Achtziger-Aura lässt sich bekanntlich nie in Gänze einfangen. Das gilt auch für Fear Talk: Man merkt den Songs ihre moderne Produktion an. An den Reglern saß Marvin Horsch, von dessen Kenntnissen auch schon andere Kölner wie Keshavara und Woman profitierten. Vielleicht sorgte der Produzent dafür, dass es „Cloth“ Richtung Dancefloor zieht, „Pursuit“ so schön verschlungene Drums hat und ein unbetiteltes Interlude mit Autotune experimentiert.

Lieber Honigmilch als Kölsch

Ansonsten dominiert ein sensibler Gestus, der sich nicht nur in zart modulierten Gitarren äußert – Sänger Ronald Röttel lässt sich wohl mehr von Ausstellungen des argentinischen Malers Xul Zolar als von Kompakt-Techno inspirieren. Und er scheint lieber Honigmilch als Kölsch zu trinken: Mit weicher Stimme singt er über Liebe, Verlustangst, Spareribs und das Gefühl, nicht älter zu werden. So kommt es, dass eine bittersüße Melancholie dieses fast schon zu perfekte Debüt durchzieht. Köln bietet eben genug Anlässe, um Trübsal zu blasen. Der alte Lieblingsclub musste einem Einkaufszentrum weichen, Karneval nervt sowieso, und jeden Sonntag schnappt einem irgendein Idiot die Achtziger-Raritäten auf dem Flohmarkt weg.

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