Xiu Xiu + Eugene S. Robinson Sal Mineo

Xiu Xiu + Eugene S. Robinson Sal Mineo
XIU XIU + EUGENE S. ROBINSON
SAL MINEO
AAGOO (LP) / IMPORTANT (CD) / CARGO – 10.05.2013

Geld, Macht, Gewalt, Sex. In Hollywood die wichtigsten Eckpfeiler des Tagesgeschäfts, aber auch Lebensrealität. So wollen es uns die Medien zumindest weismachen. »It’s all green, green. And smelt green.« Die Farbe des Geldes, sie durchzieht alles. Und wo Geld ist, da lauern Gewalt – »Some of us carry guns« – und Sex hinter jeder dunklen Straßenecke. »And the fights happen every night, and the sex … and cash.« So schnell ist der Bogen geschlagen, stehen die hässlichen Klischees beieinander.
   Auf Sal Mineo werden sie von Eugene S. Robinson in Szene gesetzt. Der ist bekannt da­ für, mit den Shows seiner Band Oxbow die Grenze zwischen performing und martial arts gekonnt zu ignorieren. Und Jamie Stewart hat bereits mit Xiu Xiu die tiefsten Traumata ausgeschöpft. Die beiden sind also, um im Jargon zu bleiben, die richtigen Männer für den Job. Stewart nutzt die Stilmittel, die in seiner eigenen Diskografie nur als Katalysator dienten: Knisternde, kratzige Noise-Attacken, zitternde Synthies und bedrohliche Drones überwiegen, nur selten verweisen minimalistische Gitarreneinsätze auf das, was der Name Xiu Xiu verspricht. Statt Songs gibt es karge, in scheppernden Lo­Fi­Sound gehüllte Skizzen.
    Allein durch seine stimmliche Präsenz hält Robinson die eruptiven Ausbrüche Stewarts zusammen. Er brüllt, flüstert, kreischt und knurrt, schaltet in Sekundenbruchteilen von distanzierter Coolness auf heißblütigen Zorn. Pulp, Pathos, Gossenpoesie? Alles davon und noch viel mehr. Robinson probiert eine Maske nach der anderen an, wird zum Schauspieler. »I watch the eyes as they watch me. And they see me like no-one else sees me.« Er spielt den Mobster, den Outsider oder den im Sinken begriffenen Stern. Womit wir beim Hollywood-Mimen Sal Mineo wären, der die Inspiration für das Projekt und den Titel für das Album lieferte. Mineo, der sich nie wirklich von seinem Ruf als »Switchblade Kid« lösen und aus James Deans Schatten treten konnte; der in den USA der 1960er-Jahre als Homosexueller gesellschaftlich an den Rand gedrängt wurde; der, pünktlich zu seinem Comeback, in einer Hintergasse von einem Pizzalieferanten erstochen wurde. Von Hollywood verschlungen, durchgekaut und ausgespuckt.
   »It’s green! Green! Green! So green …«, hechelt und brüllt Robinson auf mehreren der 24 Tracks. Heißt: giftig und doch verlockend. Gemeinsam mit Stewart spielt er das mit diesem ebenso brutalen wie brillanten Album in allen Facetten aus. Hier mal affirmativ, dort mal angewidert, niemals eindeutig. Faszination und Ekel – eigentlich auch so ein Hollywood-Topos.

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