Xasthur / Xasthur/Leviathan / Khylst

In Anlehnung an einen beliebten Zeitvertreib meiner Jugend – die Erfindung von Metal-Genres (reiner Distinktionsgewinn) – würde ich das Schaffen Xasthurs an dieser Stelle mal unter dem Begriff »Black Sludge« zusammenfassen. Die Übersetzung »Schwarzer Schlick« (»Schleppscheiße«, wie meine Mutter früher zu sagen pflegte) beschreibt die Musik von Malefic, dem einzigen Mitglied von Xasthur, auch ganz treffend. Fließen tut gar nichts im Xasthur-Sound; es herrscht monolithischer Stillstand. »Subliminal Genocide«, sein fünftes Album (dazu unzählige Splitreleases mit Kombattanten wie Leviathan, Nachtmystium, Acid Enema oder Nortt), ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich das milde Klima Nordkaliforniens nicht nachteilig auf die Entwicklung der lokalen Hobby-Satanisten auswirkt. Wer das Glück hatte, Malefic auf der letzten SunnO)))-Tour in vollem Corpsepaint zu sehen, weiß, dass der Bursche es verdammt ernst meint. Xasthur schlägt Black Metal mit seinen eigenen Waffen.

»Subliminal Genocide« ist ein erhabenes Todesröcheln aus dem schwärzesten Höllenschlund, dabei hymnisch wie ein Psalmengesang. Die runtergewürgte Gitarre produziert ein atmosphärisches Grundrauschen wie bei My Bloody Valentine, die Double Bass blubbert mehr, als dass sie kickt, der Synthesizer wimmert böse und gefühllos, und im hintersten Winkel seines fauligen Kellerlochs kotzt sich Malefic die Seele aus dem Leib. So muss Blackmetal klingen: pragmatischer Nihilismus statt nordischer Folklore. Als Anspieltipp aus Xasthurs Frühphase ist erwähnte Split-EP mit Leviathan aka Wrest schwerstens empfohlen. Wesentlich harscher als ihre Kollabo unter dem Namen Twillight ist die Split, jetzt erstmals auf CD, allein schon wegen Wrests zehnminütigem Judas Iscariot-Cover (auch so eine One-Man-Blackmetal-Boygroup) ihr Geld wert.

Apropos Geld wert: Khylst heißt das neue Projekt von Jim Plotkin und Runhild Gammelsaeter aka Ozma, die Mitte der Neunziger im zarten Teenager-Alter Greg Andersons und Steve O’Malleys Prä-SunnO)))-Inkarnation Thorr’s Hammer ihr Zuckerstimmchen lieh. »Chaos Is My Name«, ein halbstündiges Martyrium aus Runhilds infernalischem Gezeter und brockigen, träge rotierenden Gitarrendrones, macht da weiter, wo Khanate, Plotkins Band mit Anderson und O’Malley, sich nie hingetraut hat. Khylst haben nichts mehr von Khanates drückender Heavyness. Stattdessen droht sich ihr Brachialsound ständig zu zerstreuen; ausgerechnet Plotkin hält die Songs mit seinem proggigen Gebolze immer wieder an der kurzen Leine. Das Ereignis auf »Chaos Is My Name« ist allerdings Runhilds Gekotzkreische, das klingt, als würde eine Katze lebendig gehäutet werden. Ihr gutturales, ersticktes Fauchen gehört momentan zu den aufregendsten Sounds im Drone/Doom-Bereich. »Chaos Is My Name« ist perfekte, multifunktionale Gebrauchsmusik – für S/M-Clubs, Snuff-Filme und Zahnarzt-Praxen.

LABEL: Hydra Head / Battle Kommand / Hydra Head

VERTRIEB: Indigo / Southern / Indigo

VÖ: 27.10.2006

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