Wu-Tang Clan A Better Tomorrow

Beat-Flickenteppich erster Güte: Wu-Tang Clans lang erwartetes A Better Tomorrow.

Was für ein Krampf das wieder war. Eigentlich sollte A Better Tomorrow, das sechste offizielle Album des Wu-Tang Clan, bereits 2013 erscheinen, pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der legendären Gründungsakte namens Enter The Wu-Tang (36 Chambers). Zumindest war das zeitweise angedacht in diesem absurden Hickhack, der sich spätestens seit dem 1997er Album Wu-Tang Forever rund um jede gemeinsame Crew-Aktivität der New Yorker Rap-Helden entspinnt. Aber dann will der gar nicht unumstrittene Wu-Chef RZA es lieber so machen, Raekwon dagegen anders oder gar nicht, zwischendurch bezichtigt man sich gegenseitig der Lüge, veröffentlicht aus dem Nichts eine Single, offenbart verrückte Pläne rund um das Geheimalbum Once Upon A Time In Shaolin und sorgt alles in allem dafür, dass die Fans, wenn schon nicht genervt, dann doch mindestens verwirrt vor diesem Wu-Tohuwabohu stehen und sich wünschen, die Bande würde doch endlich mal zu Potte kommen. Wenn nun der 2004 gestorbene und deshalb von all dem Theater unbehelligte Ol‘ Dirty Bastard im Intro von A Better Tomorrow rumkrakeelt, dass man das nun Folgende lieben werde, dann weiß man immerhin: Die Platte ist wenigstens fertig geworden.

Ob ODB mit seiner Ansage aus dem Jenseits recht hat, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Denn eine große Erwartung der Fans wird bereits auf formaler Ebene enttäuscht: A Better Tomorrow ist kein RZA-Produktionssolo wie in goldenen Zeiten, sondern im Gegenteil ein Beat-Flickenteppich erster Güte. Zwar leisten die beiden Wu-Zöglinge 4th Disciple und Mathematics seit Jahren und auch auf diesem Album ganze Arbeit, um die RZA-Formel möglichst originalgetreu immer wieder neu aufzukochen, aber weder ist das per se geil, noch können die paar schönen Retro-Momente die Platte an sich retten.

Dasselbe gilt für Adrian Younges stets wunderschöne Analoginterpretationen des klassischen Wu-Sounds: Das macht Sinn und Spaß, sticht hier jedoch vor allem als die Ausnahme zwischen jeder Menge Kraut, Rüben, übers Ziel hinausgeschossenen Bombastproduktionen und merkwürdigen RZA-Experimenten hervor. Natürlich hält die bewährte Riege an Lieblingsrappern das ganze Ding einigermaßen zusammen und fabriziert neben einer Reihe vorhersehbar selbstreferenzieller Zeilen auch das ein oder andere textliche Highlight. Aber letztendlich hört man A Better Tomorrow seine verkrampfte Entstehungsgeschichte viel zu deutlich an. Was ebenso schade ist, wie es absehbar war.

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