World´s End Girlfriend

worlds-end-girlfriend-seven-idiots    Wahrscheinlich kommt Katsuhiko Maeda jeden Abend zu seiner Frau und den Kindern nach Hause, die glauben, er arbeite bei einer Bank:»Schatz, wie war dein Tag?« »Danke, gut. Und deiner?« In Wahrheit aber hat ihn im Buro seit Jahren keiner mehr gesehen. Maedas Projekt World’s End Girlfriend wirkt wie der Inbegriff des heimlich gepflegten Irrsinns. Man muss sich die Musik auf Seven Idiots, dem zehnten Album, das Maeda unter diesem Namen veröffentlicht, wie eine Sinfonie aus sämtlichen Elementen der Popmusik vorstellen, unterlegt von kaputten Soundbausteinen aus Guitar Hero. Bei Maeda wächst das zusammen,was bislang eher nicht zusammengehörte: Slap-Bass und »Ah«-Chöre; auf ein Punk-Intro folgt ein Kitschpianolauf; der wiederum wird abgelöst von Streicherattacken; Freejazztröten folgen auf Metal-Schrubbakkorde.

    Generell scheint Maeda ein gewisses Faible fur Gitarrenläufe im Stil Eddie van Halens zu haben, die von Fans auch als halsbrecherisch bezeichnet und klassischerweise dem Genre Hairmetal zugeordnet werden. Explizit zeigt sich das bereits in Divine Comedy Reverse, dem ersten Titel des Albums, der sich anhört, als wurde die Musik von Van Halen und David Bowie in ein kosmisches Loch gesaugt. An traditionellen Songstrukturen ist Maeda nicht interessiert, disparat sind die größtenteils instrumentalen Stucke auf Seven Idiots deshalb keineswegs. Als hätte es eines endgultigen Beweises für die alte Talkshow-These bedurft, dass das Ganze immer mehr ist als seine einzelnen Teile, mischt Maeda aus einer Vielzahl von Schnipseln und einigen Klangrelikten aus der Fruhzeit des Soundeffekts erstaunlich geschlossene Tracks – seinen Höhepunkt findet das im siebten Titel GALAXY KID 666 (der Kunstler schreibt offenbar gern in Versalien). Dieser schlägt nach einem wehmutig Cardigans-artigen Schmelzstreicher-Intro in einen technoiden Kosakentrommeltanz um und dann in ein New-Wave-Gewitter im Stile Billy Idols. Es folgt die obligate Metalgitarre, schließlich Elemente eines Exploitation-Soundtracks.

    Geschickt wie Johann Sebastian Bach im Wohltemperierten Klavier, nimmt Maeda Fäden auf, um sie fallen zu lassen und dann erneut zu ergreifen. Mit klassischer Musik, wie gern behauptet wird, hat die Musik von World’s End Girlfriend allerdings gar nichts zu tun. Das zeigt sich besonders im dreiteiligen, uber zwanzigminutigen Bohemian Purgatory. Zwischen Francis-Lay-Filmmusik, Brasiljazz und Hintergrundsounds fur Professor Layton angesiedelt, scheint hier eine Art Opus magnum geplant gewesen zu sein, so episch wie sein Titel. Anders als Freddie Mercury in der fast gleichnamigen Mini-Rockoper von Queen, verzichtet Maeda allerdings auf jede Art von Bombast oder dramatischen Gesang. Auch dem letzten Track des Albums, dem getragen melodischen Unfinished Finale Shed?, fehlt eine entscheidende Dimension: der Wahnsinn. Katsuhiko Maeda kann eben nur Irrsinn. Den aber sehr gut.

LABEL: Erased Tapes | VERTRIEB: Indigo | : 22.04.2011


VIDEO: WORLD'S END GIRLFRIEND – Les Enfants Du Paradis

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