Wombs

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   »Es hat keinen Sinn, Musik zu machen, die sich wie etwas anhört, das man schon mal gehört hat. Kunst ist für mich wie eine Wissenschaft. Man soll auf vergangenen Errungenschaften aufbauen, auf den Schultern der Altvorderen stehen. Dann gilt es voranzuschreiten und bessere – oder wenigstens andere Kunst zu machen«, sagt John Ryan Manning. Der Songwriter der WOMBS hat es mit seiner Band geschafft.

   Die Wombs, drei Männer an Bass, Gitarre, Schlagzeug (und anderen Geräten) sowie eine Violinistin aus den Vorstädten von Ohio in Ohio, stehen fest auf den Schultern des Animal Collective (und ungezählter, berühmter und halb vergessener Combos seit den Mothers of Invention, Bongwater ist auch dabei). Sie haben von den Vorfahren gelernt und dann ihr eigenes Ding gedreht. Es kommen darauf Gäste zu Gehör und Trompeten und Spielzeugsynthies zum Einsatz. Mal meint man Kirchenorgeln zu hören. Es gibt viel Hall und Effekte, viel Durcheinander und auch viel Noise und viele schöne Harmonien. Mal wird Falsett gesungen, mal wie ein orthodoxer Pope, mal ein Walzer gespielt, mal ein durchgedrehter Breakbeat wie einst bei Squarepusher, aber live. Mal sind die Wombs ganz sachte, und mal gehen sie steil. Geschwindigkeiten werden gewechselt, dann wird wieder von laut auf leise runtergedimmt. Dynamischer geht’s nicht.

   Das Album, das so viel Spaß macht, heißt Unitopians. Auf dem Cover, das wie ein Filmstill aus den Siebzigern aussieht, sind eine ältere Person und ein Junge zu sehen. Die ältere Person, die wie ein sehr weiblicher Mann oder eine männliche Frau aussieht, steht für die neue Männlichkeit, die hier am Werk ist. Womb heißt auf Deutsch Gebärmutter, Mutterleib, Schoß. Die Schöße sind nicht nur damit beschäftigt, neue Männer und Frauen zu sein, sie müssen sich außerdem mit ihrer Subjektivität als Netzgeneration beschäftigen, und wollen doch einfach nur durchdrehen. Sie haben Angst, wie alle: »Die Wirklichkeit ist zufällig und schmerzhaft. Unsere Online-Identität dagegen vorhersehbar und kontrollierbar. Daraus ergibt sich eine Art digitaler Neurose, die darin besteht, einerseits eng verbunden und andererseits sehr distanziert von anderen Menschen zu sein. Unser Album ist eine Person, die in diesem Klima lebt und diese Sachen denkt«, sagt Manning. Die beste Zeile, die er gedichtet hat, lautet: »This could be me«.

   Diese Platte ist toll. Ungefähr so, wie eine Party zu Hause mit sich allein zu haben, beziehungsweise daran erinnert zu werden, wie schön Partys sein können. Womöglich ist es sogar so, dass man sich beim Hören auf eine Party wünscht, auf der die Wombs spielen. So geht es den Wombs wahrscheinlich auch vor ihren Computern. Jetzt haben wir was gemeinsam.

   Nachfolgend gibt es das Video zum Titel Topiary Living zu sehen und das komplette Album im Stream zu hören. Wombs Unitopians ist bei Ratio Records als Gratisdownload und auf Vinyl erschienen.

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VIDEO: Wombs Topiary Living

STREAM: Wombs Unitopians

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