William E. Badgley „Here To Be Heard: The Story Of The Slits“ / Review

Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung: William E. Badgley widmet sich mit seinem dokumentarischen Porträt Here To Be Heard als erster einer Band, der schon viel früher eine solche Aufmerksamkeit hätte zuteil werden müssen – The Slits ist eine der ältesten all female Punkbands, ohne die es heute vielerorts bekanntere Musiker_innen nicht gegeben hätte. 

Dies vorweg: Es ist natürlich großartig, dass es endlich eine Dokumentation über The Slits gibt, diese revolutionäre Punk-(oder besser Anti-Punk-)Band, deren Einfluss in der Pop-Historie jahrzehntelang marginalisiert wurde. Je mehr Leute von den Slits wissen, desto besser, also props an Filmemacher William E. Badgley, der Here To Be Heard realisierte. Dennoch stellt sich beim Anschauen das ungute Gefühl ein, dass trotz vieler bisher noch nie gezeigter Originalaufnahmen eine Menge Chancen vertan wurden.

der Doku fehlt genau die Direktheit, die die energetischste und wagemutigste aller Bands der Punk-Ära auszeichnete.

Die Doku wirft Fragen auf, die nicht oder nur beiläufig beantwortet werden, beispielsweise zu Immigration in England oder Gleichberechtigung im Musikgeschäft. Und anders als in Sophie Fiennes’ Film Bloodlight and Bami über Grace Jones erschließt sich die Geschichte nicht aus den O-Tönen der Befragten, eher ist das Gegenteil der Fall. Die interessanten, überraschenden, bewegenden Biographien und Interviewbeiträge von Tessa Pollitt, Paloma Romero alias Palmolive, Viv Albertine und Ari Up wirken seltsam unverbunden; der Doku fehlt genau die Direktheit, die die energetischste und wagemutigste aller Bands der Punk-Ära auszeichnete.

Die musikalische und emanzipatorische Bedeutung der Slits für andere Bands und ganze Bewegungen wie etwa Riot Grrrlism wird nur zaghaft thematisiert. Abgesehen von einem Halbsatz aus dem Off: „There would be no Madonna without The Slits.“ Dessen weitere Ausführung könnte natürlich einen weiteren Film füllen – oder einige leidenschaftliche Kommentare von Punk-Professorin Vivien Goldman. Aber wenn die Leerstellen in Here To Be Heard dazu führen, dass sich viele Menschen mit den Slits beschäftigen, ihre Musik hören – und zwar nicht nur das legendäre Album Cut, auch die vergessene, unterschätzte Platte Return Of The Giant Slits – und damit der Band zur längst fälligen Würdigung verhelfen, wäre doch einiges erreicht.

Diese Filmkritik ist auch in SPEX No. 383 erschienen. Das Heft ist versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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