Elektrisches Störfeuer

Was Hayden Thorpe wohl genau meint, wenn er im eröffnenden Stück »Lion’s Share« des neuen Albums der Wild Beasts formuliert: »I take it in my mouth / just like a lion takes his gain«? Den Song zum Thema Gier, Macht und Löwenanteil wird man sicherlich wie alle weiteren neuen Stücke noch etwas sacken lassen müssen. Aber wenn sich das, was nach den ersten Hördurchgängen von »Smother« (zu Deutsch: Staubwolke) bereits hängen blieb, noch weiter festigt, dann haben wir es hier mit einem der potentiellen Alben des Jahres zu tun. Sicherlich: klappern gehört zum Handwerk, Übertreibung zum Popjournalismus. Aber »Smother«, das dritte Album der britischen Falsett-Dramatiker Wild Beasts hat alles, was eine relevante Platte so braucht: musikalische Originalität und Abwechslungsreichtum, Tiefe bei gleichzeitiger Eingängigkeit, Witz und Charme. Mit »Albatross« haben sie soeben den ersten Vorboten als Stream und Download veröffentlicht.

    Generell ist zu beobachten, dass die Beasts nun deutlich elektronischer klingen, als auf ihren früheren Alben »Two Dancers« und »Limbo, Panto«. Zwar spielt Thorpes Kopfstimmen-Gesang und die klassische Band-Instrumentierung aus Bass-Gitarre-Schlagzeug-Klavier weiterhin die tragende Rolle, aber das elektrische Störfeuer flackert hörbar aus den zehn neuen Stücken heraus. Mal ist ein Song auf Tanzbarkeit ausgelegt (»Bed of Nails«, »Reach a Bit Further«), mal tauchen immer wieder repetitive Songstrukturen auf (siehe »End Come Too Soon«, »Loop the Loop«, teilweise auch »Plaything«) – die so auch gut in der elektronischen Tanzmusik aufgehoben wären. Begründet liegen soll dies in – Zitat Because London, Zitat NME – in ihren neuen Einflüssen seitens der Fuck Buttons und Mary Shelleys »Frankenstein«, aufgenommen und produziert wurde aber erneut mit dem Dakota-Suite-Musiker Richard Formby. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Interessantheit der »Two Dancers«-Remix-EP, die im November letzten Jahres mit Bearbeitungen von Jon Hopkins, Oneohtrix Point Never, Junior Boys und Son Lux als Doppel-12"-Vinyl auf Domino erschienen ist.

    Aus der Mitte der Platte gegriffen ist nun die erste Single »Albatross«, eine Ode auf den ozeanüberfliegenden Vogel. Ein die gelassene Ruhe und Unaufgeregtheit des Albums aufgreifender Dreieinhalbminüter, ausgestattet mit elegischen Streicherarrangements und dezentem Xylophon-Spiel. »Albatross« kann man vorab streamen, Fans der Facebook-Seite der Wild Beasts erhalten den Song seit heute eine Woche lang als Gratis-Download. Erscheinen wird »Smother« am 6. Mai auf Domino als CD, Vinyl und Download, elf Tage später spielen sie ein Showcase im Berliner Comet Club.

 


STREAM: Wild Beasts – Albatross


STREAM: Wild Beasts – Two Dancers Remix-EP

Wild Beasts Live:
28.04. A-Krems – donaufestival
17.05. Berlin – Comet Club

Wild Beasts – Smother:
01. Lion's Share
02. Bed of Nails
03. Deeper
04. Loop the Loop
05. Plaything
06. Invisible
07. Albatross
08. Reach a Bit Further
09. Burning
10. End Come Too Soon

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