White Wine »Who Cares What The Laser Says« / Review

White Wine, das ehemalige Soloprojekt des Wahl-Leipzigers Joe Haege, ist nun eine Band und präsentiert ein Debütalbum der schrägen Sounds.

Der 31 Knots/Tu Fawning/Menomena-Dude hat sich in Leipzig niedergelassen und dort Mitstreiter für seine Band gefunden. Who Cares What The Laser Says heißt nun das Debüt des Trios. Der Laser im Titel steht sinnbildlich für die Zukunft, denn Joe hat festgestellt, dass die Menschen ihr Leben immer mehr vom Digitalen, von Technologie bestimmen lassen, und dass im ständigen Streben nach Zerstreuung die Empathie und in den immer verkürzteren Debatten die Details und der Kontext abhanden kommen. Also wird auf die Zukunft gepfiffen und sich über den Zeitgeist lustig gemacht, wie es schon das Video zur ersten Single »Where’s My Line?« mit Musikvideo-Klischees macht, indem Regieanweisungen wie »Lights for effect« eingeblendet werden.

Das hier ist sicher nicht state of the art, sondern einfach eine vielseitige, gut gemachte Indie-Platte.

Stattdessen ist der Ansatz von White Wine, auf dem Album eine irgendwie alternierende, etwas verdrehte Zukunft vorherzusagen. Und tatsächlich findet man sich bei Songs wie dem Opener »Is This Weird?« oder dem psychedelischen »Sitting On A Bench« in einer absurd-dystopischen Zirkusszene wieder, die direkt dem Hirn Terry Gilliams entsprungen sein könnte. Gitarren, Geklimper und Geraschel werden erst mit Synthesizerflächen zusammengepappt, um im nächsten Moment wieder auseinanderzufallen. Ein Song wird von der Bassline getragen, der nächste vom Schlagzeugbeat, der nächste von der Synthiesäge. Das macht Spaß, ist schräg und kurzweilig und erfüllt auch den Anspruch Haeges, sich mit cheap sounds von vornherein dem Trendigen und der Frage, ob das dann in ein paar Jahren veraltet sein wird, zu entziehen.

Denn das hier ist sicher nicht state of the art, sondern einfach eine vielseitige, gut gemachte Indie-Platte, so wie es sie in den Nullerjahren zuhauf gab. Man wird sie ein, zwei Sommer gerne anhören, dann vergessen, um sie in fünf oder sogar zehn Jahren wieder hervorzukramen und sich daran zu erfreuen, ganz nach dem Schema des folgenden, kürzlich geführten Dialogs: »Erinnerst du dich noch an die Band, die damals bei euch im Auto rauf und runter lief, als wir mit deiner Mutter zum Second-Hand-Laden in die nächste Stadt gefahren sind?« »Keine Ahnung.« »Diese Indie-Platte, die damals voll angesagt war!« »Weiß nicht.« »Die mit den Trompeten!« »Ach, Modest Mouse! Gibt’s die eigentlich noch?« »Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.«

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