When Saints Go Machine Infinity Pool

When Saints Go Machine Infinity Pool

WHEN SAINTS GO MACHINE
INFINITY POOL
!K7 / ALIVE – 17.05.2013

Zu den kleineren und größeren Verbrechen des Musikjournalismus gehört das unentwegte Vergleichen. Da werden einer Band drei andere Gruppennamen an die Hand gegeben, fertig ist die Einordnung. Gerne absurd, für die Betroffenen nicht immer nachvollziehbar. Für die Leser aber ist der »Klingt-wie«-Vergleich die Sicherheit und Übersicht bietende Spareinlage unter den journalistischen Arbeitsgriffen, wie wir Wiederholungsschreibtischtäter zu wissen meinen.
   Eröffnet deshalb Infinity Pool, das dritte Album der Dänen von When Saints Go Machine, nicht mit Sänger Nikolaj Manuel Vonsilds zartem Falsett, sondern mit sophisticated Hip-Hop-Beats und dem »Love And Respect« einfordernden OutKast-Buddy Killer Mike? Schnappt die Antony-Falle diesmal ins Leere? Schließlich wurde Vonsild vielerorts direkt in den Schatten Hegartys gesetzt. Dabei hat der ruhige, schlanke Hüne ein ganz eigenes Charisma. Ein aristokratisch anmutender Engel, irgendwie, mit Eidinger-Aura.
   Auf Infinity Pool zittert und tänzelt seine aus jedem Metrum fallende Stimme Silben und Wörter verschluckend voran, dass es beim Hören einerseits einiges abverlangt zu folgen, andererseits jedoch immens fasziniert. Später, bei »Order«, die nächste Überraschung: Vonsild fällt um Oktaven in einen fast jugendlichen Bariton. Ein Duett in bester bipolarer Harmonie über die Liebe als letzten Ausweg aus dem Irrsinn dieser Welt entsteht. Letzterer wird davor und danach für allerhand Assoziationen herangezogen. »Iodine« spürt der plötzlichen Verunsicherung nach Fukushima und der dann doch wieder einsetzenden Lethargie nach, »Yard Heads« hält dem Spektakel des Terrors seine langfristigen Vorentwicklungen entgegen.
   All das untermalen Vonsilds Kollegen gewohnt komplex. Nachdem gemeinsame Aufnahmesessions scheiterten und das Album in getrennter Heimarbeit entstand, ist der überschäumende Disco-Sound vom Debüt Ten Makes A Face endgültig verschwunden. Dafür wird tief in die Effektkiste gegriffen, es gibt eine (emulierte) Tuba und Streicher, viele Intermezzi, die meist ein melancholisches bis dramatisches Aufbegehren der Electronica vorbereiten. Dann wieder darf großflächig geträumt werden. In ihrer Übereinkunft erzeugen Musik und politischer Inhalt somit eine angenehme Erinnerung an frühen TripHop. Doch Achtung vor zu viel Wohlgefallen: »The system doesn’t sing / It calls«. Und es domestiziert. Die ursprünglich unheimliche Vorstellung vom tosenden Rand der Erdscheibe etwa. Heute steht das Bild des scheinbar randlosen Wasserbeckens eines Infinity Pools für puren Luxus. When Saints Go Machine rütteln allerdings am Stöpsel.

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