»What Is This Heart?«, Tom Krell über seine neue Performance

How To Dress Well by Michael Zackery

Seit dieser Woche läuft das interdisziplinäre Festival der Berliner Festspiele, Foreign Affairs. Einer der Höhepunkte ist die heutige Performance  »What Is This Heart?« von How To Dress Well, Minna Choi und Brendan Fernandes. Tom Krell alias HTDW hat uns bereits einen Einblick in den Abend gegeben. Ein Protokoll.

Tom Krell: Die Performance namens »What Is This Heart?« wird in Berlin erstmals überhaupt zu sehen sein. Sie trägt zwar den gleichen Namen wie mein aktuelles Album, dennoch handelt es sich um etwas ganz Anderes, um eine andere Verkörperung. Statt das Album im Studio zu produzieren, übertragen sich seine essentiellen Fragen auf die Bühne. What is this heart? Was bedeutet es, wirklich empathisch zu sein? Was, wirklich zu lieben, zu teilen, echte Banden aufzubauen, großzügig zu sein? Ich habe mit Brendan Fernandes schon vor und während der Albumaufnahmen über diese Fragen diskutiert und jetzt unternehmen wir gemeinsam einen weiteren Versuch, Antworten darauf zu geben.

Dafür arbeite ich auch mit Minna Choi, die bereits meine Orchestral-EP Just Once arrangiert hatte und auch an meinen beiden Alben beteiligt war. Zusammen haben wir zahlreiche Titel der »What Is This Heart?« LP sowie ein weiteres Lied aus meinem Katalog für ein Streicher-Quartett und sie am Piano rearrangiert. Ich werde der einzige Sänger sein. Geschrieben wurde das alles in Kollaboration mit dem einem fünfköpfigen Tanzensemble – unter der Führung von Brendan –, dessen Mitglieder alle in recht modernen Techniken ausgebildet wurden. Alles wird weder in Sinne eines albernen Beyoncé-Videos, noch im Sinne eines klassischen Balletts choreografiert sein, stattdessen wird es zu einem sehr eigentümlichen und elaborierten Ausdruck kommen.

Es wird sehr fokussierte, rasante Momente geben und ebenso welche, in denen alles wie außer Kraft gesetzt wirkt. Simon Portigal, ein weiterer Tänzer und Choreograf, und Brendan haben diese Technik einer aufgehobenen Bewegung entwickelt. Und auch der Soundtrack spiegelt das wider. Die Musik wird an diesen Stellen nahezu flüchtig und getragen sein. Nur sehr selten werden etwa Drum-Tracks aus den Originalsongs zum Einsatz kommen. So werden die Tänzer eine Art lebenden Skulpturengarten aufführen und die Musik wird der Wind sein, der durch den Garten bläst, die Skulpturen verändert. Ich wiederum werde wie eine solche auf einem Sockel in der Mitte stehen. Die Tänzer nehmen dann meine Gesten auf und geben sie weiter.

Die Tänzer interagieren mit verschiedenen Objekten und schließlich mit ihnen in Liebe beinahe verschmelzen. Untereinander wiederum bestimmt sie ein fürsorglicher Affekt. Mich erinnert das alles sehr an Michael Hanekes Film, Liebe, an die Art, wie der Protagonist sie liebt, all die kleinen Dinge die er tut und wie er einfach nur neben ihr ist. Außerdem setzen wir 12.000 echte Blumen in der Performance ein, mit denen sich die Tänzer ihre eigene Welt aufbauen werden und so auch die vierte Wand im Theater durchbrechen.

Die heutige Probe verlief sehr gut, was mich beruhigt, denn ich gehe Proben eher sportlich an: You play like you practise. Ich glaube, die Performance ist sehr schön, sehr zart und berührend, und ich kann kaum glauben, dass wir sie zur Aufführung bringen werden.

Der Abend beginnt um 21 Uhr im Haus der Berliner Festspiele. Es gibt noch Karten. Foreign Affairs endet am 13. Juli. Einen Ausblick auf das gesamte Programm hatten wir bereits hier publiziert.