Wes Anderson eröffnet Berlinale mit Isle Of Dogs

Beef? Rex und Chief aus Wes Andersons Isle Of Dogs (© 2018 Twentieth Century Fox)

Wes Anderson ist zurück. Und hat Hundeleckerli im Gepäck. Vier Jahre nach Grand Budapest Hotel eröffnet sein Isle Of Dogs die 68. internationalen Filmfestspiele Berlin.

Wer ist Herr, wer Diener? Wer wirft das Stöckchen, und wer bringt es wieder zurück? Es sind die scheinbar einfachen Fragen, die Wes Anderson in Isle Of Dogs aufwirft. Und die natürlich umso schwerer wiegen und ganz schön verzwickt zu beantworten sind.

Mit seinem Animationsfilm in traditioneller Stop-Motion-Technik und mit viel herzerweichendem Hundeblick (hier einiges zum Hintergrund der Produktion) eröffnet Anderson bereits zum zweiten Mal die Berlinale. 2014 zeigte er am Potsdamer Platz Grand Budapest Hotel und erhielt dafür den Großen Preis der Jury (hier unsere Besprechung des Films), mit Isle Of Dogs konkurriert er dieses Jahr im Wettbewerb um den Goldenen Bären.

Der Film spielt in einem fiktiven Japan in der näheren Zukunft. Das totalitäre Regime der Stadt Megasaki hat der Hundepopulation den Kampf angesagt. Die Vierbeiner sind verstoßen auf eine der Stadt vorgelagerte Insel, eine gigantische Müllhalde, auf der sich die Tiere mehr schlecht als recht von Verrottendem und Ungeziefer ernähren. Ihre endgültige Vernichtung steht kurz bevor – sofern sich das Blatt nicht doch noch wendet.

Der dafür nötige Impuls geht nicht etwa von einem heroischen Zusammenschluss der Unterdrückten aus, sondern von einer humanen Intervention. Der zwölfjährige Ziehsohn des Bürgermeisters a.k.a. Diktators Kobayashi macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach seinem einstigen Wachhund Spots. Eine Gang von verstoßenen Haushunden – die Herrchen verpassten ihnen zynisch die Namen Boss, Rex, King und Duke (gesprochen werden sie von Bill Murray, Edward Norton, Bob Balaban und Jeff Goldblum) – und der Straßenköter Chief (Bryan Cranston) sind ihm dabei behilflich und zetteln letztlich einen kleinen Aufstand an. Die Rebellion hat allerdings nur zum Ziel, die Verhältnisse von einst zu restaurieren und den Hündchen wieder ihren angestammten Platz unter der Fuchtel der Herrchen zurück zu erobern.

Nur in besseren Cameo-Auftritten sind die von Scarlett Johansson und Tilda Swinton gesprochenen Hündinnen zu sehen. Auch den aktiveren weiblichen Part übernimmt ein Menschenkind, die amerikanische Austauschschülerin Tracy (Greta Gerwig), eine rabiate Pro-Dog-Aktivistin in Megasaki.

Wie alle Anderson-Filme lebt Isle Of Dogs von seinen Schrullen und Marotten, von Schauwerten und Ausstattungsdetails, von metaphorischen Anspielungen, die man eventuell auch historisch und politisch lesen kann. All das bietet der Film auf dem gewohnten Anderson’schen Virtuositätsniveau. Die Hunde sehen selbst im Zustand totaler Runtergerocktheit super süß aus und sprechen so gepflegt wie die Vorsitzenden eines Bibliothekarvereins.

Weniger gut klappt es mit der Dramaturgie. Das von Anderson gemeinsam mit Jason Schwartzman, Roman Coppola und Kunichi Nomura entwickelte Drehbuch zerlegt den ohnehin nicht besonders reichhaltigen Handlungsstrang in kleine Häppchen, führt an mäßig interessante Nebenschauplätze und zerlöchert sich selbst mit mindestens drei Rückblenden zu viel. Der Erzählgestus ist schulmeisterlich, ständig wird erklärt, rekapituliert, gemärchenonkelt und nochmals erklärt. Dieser pädagogische Touch verstärkt den Eindruck des Altherrenhaften, der Andersons Humor und Filmen freilich immer schon zu eigen ist.

In einer Szene erklärt der Streuner Chief dem Menschenjungen, der ihn ohnehin nicht verstehen kann, mit knurrigem Nachdruck, er apportiere das verdammte Stöckchen aus dem Müllhaufen nicht etwa aus Folgsamkeit, sondern allein aus Mitleid. Das ändert am Ergebnis freilich wenig: Er apportiert es eben. So sieht Isle Of Dogs zwar aus wie eine ganz drollige Fellknäuelanimation, ist konsequent zu Ende gedacht aber eine niederschmetternde Parabel auf den inneren Schweinehund. Die fieseste Art von Herrschaft ist der Gehorsam. Wuff.

Isle Of Dogs
USA 2018
Regie: Wes Anderson
Mit Bryan Cranston, Koyu Rankin, Bob Balaban, Jeff Goldblum, Bill Murray, Edward Norton, Liev Schreiber, Greta Gerwig, Scarlett Johansson, Tilda Swinton, Frances McDormand, Yoko Ono u. a.

Die Berlinale zeigt bis 25. Februar insgesamt über 300 Filme. Das gesamte Programm findet sich auf der Homepage des Festivals.

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