Wenzel Storch – »Der Speckpater« jetzt online

Der Speckpater»Wie Terry Gilliam auf Crack« lobte der Montreal Mirror den letzten Wenzel Storch-Film »Die Reise ins Glück« nach dessen Uraufführung im Jahr 2005. Die Vergleiche mit Drogenerfahrungen sind bei einem Regisseur wie dem 1961 in Braunschweig geborenen Storch auch schnell zur Hand. Kulisse und Ausstattung sind aus günstigen Materialien umso opulenter arrangiert; die Handlung folgt keiner linear-logischen Handlung, die Tiere sprechen, und auch Objekte sind beseelt. Im vergangenen Herbst hat Storch in Konkret eine Geschichte seiner Zeit als Messdiener in den Siebziger Jahren veröffentlicht – mit besonderer Berücksichtigung katholischer Blättchen-Literatur. Die situationistische Gruppe monochrom hat jetzt beide Teile von »Der Speckpater« online gestellt.
   »Ausgehend von der publizistischen Parallelwelt des 1970er-Hardcore-Katholizismus mit Organen wie ‹Echo der Liebe›, ‹Stadt Gottes›, ‹Der Weinberg›, ‹Missio Aktuell›, ‹Bonifatiusblatt› und ‹Liboriusblatt. Die grosse Wochenzeitung fuer die katholische Familie› stoesst Storch auf den Moench Werenfried van Straaten aus der Praemonstratenserabtei von Tongerlo. Unter den noms de guerre ‹Der Speckpater› und ‹Die Dampfwalze Gottes› organisierte van Straaten die so genannte ‹Ostpriesterhilfe›, eine Kampforganisation zur Unterstuetzung der Kirche in der kommunistischen Diaspora des Nachkriegs-Europa.«

    So kündigt monochrom die Geschichte um den Speckpater an. Sie wird von Storch mit bemerkenswerter Akribie erzählt; die Liebe zum Detail in Wort und Bild erinnert dabei an Theweleits »Buch der Könige«, nur dass eben Storchs narzistischer Blick an kulturtheoretischer Analyse nicht interessiert ist. Dies ist Spaß am Trash, der sich aber in jedem Moment um die schlimme ideologische Wirksamkeit der katholischen Kampfblätter bewusst ist. 

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