Wegen BDS-Support: Ruhrtriennale lädt Young Fathers aus

Young Fathers

Die Ruhrtriennale findet in diesem Jahr ohne Young Fathers statt. Das Festival im Ruhrgebiet sagte ein geplantes Konzert mit der Band aus Edinburgh ab, weil diese sich nicht von ihrer BDS-Unterstützung distanzieren wollte.

Eigentlich sollte im Rahmen der Ruhrtriennale vom 18. August bis 30. September auch ein Konzert der Band Young Fathers stattfinden. Das Festival hat dieses nun abgesagt und den Schritt in einer Stellungnahme von Intendantin Stefanie Carp begründet.

Bedauerlicherweise haben sich die Young Fathers nicht von BDS distanziert“, schreibt Carp. Wir schlussfolgern daraus ausdrücklich nicht, dass die Band antisemitisch sei, und es ist mir in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass Kritik an der Politik der derzeitigen israelischen Regierung nicht per se mit Antisemitismus gleichzusetzen ist. Die Ruhrtriennale distanziert sich hingegen in aller Form von der BDS-Bewegung und möchte mit der Kampagne in keinerlei Verbindung stehen. Deshalb haben wir entschieden, das Konzert ausfallen zu lassen.“

Die BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) verfolgt das Ziel einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Isolation Israels und gibt als Grund dafür die Palästina-Politik des Landes an. Kritiker der Kampagne beurteilen ihr Vorgehen als antisemitisch. Vor allem unter britischen Kulturschaffenden erfährt BDS dennoch viel Unterstützung. Zu den populärsten Befürwortern gehören Roger Waters, Brian Eno und Laurie Penny.

Im vergangenen Jahr waren Young Fathers eine von acht Bands, die einem BDS-Aufruf folgten und ihren Auftritt beim Berliner Pop-Kultur-Festival absagten. Die Boykott-Forderungen  gingen auf einen Reisekostenzuschuss zurück, den die israelische Botschaft dem Festival gewährt hatte. Für 2018 erneuerte BDS seinen Boykott-Aufruf gegen Pop-Kultur und konnte damit unter anderem John Maus und Richard Dawson zu Absagen bewegen.

Als Reaktion auf die Absage des Young-Fathers-Konzerts im Rahmen der Ruhrtriennale veröffentlichte auch die BDS-Schwesterorganisation PACBI (Palestinian Campaign For The Academic & Cultural Boycott Of Israel) ein Statement. Darin heißt es: Das Ruhrtriennale-Festival in Deutschland fordert die britische Gruppe Young Fathers auf, sich von der palästinensisch geführten BDS-Menschenrechtsbewegung zu distanzieren, bevor ihr Auftritt stattfinden kann. Diese McCarthy-mäßige Gesinnungsüberprüfung sollte von allen, denen die freie Meinungsäußerung wichtig ist, abgelehnt werden. […] Das Gleichsetzen der Ablehnung von Israels [sic] mit antijüdischem Rassismus ist eine Form des antipalästinensischen Rassismus, die dazu dient, Israels Kritiker*innen mundtot zu machen.“

Update 13.06.: Inzwischen haben auch Young Fathers ein Statement veröffentlicht. Darin heißt es: „We feel it is a wrong and deeply unfair decision by the festival to take this stance and to also ask us to distance ourselves from our human rights principles in order for the appearance to go ahead. Anyone who knows the band and our history will know we oppose all forms of hatred and racial discrimination. Always have. And we, like BDS, ‚do not tolerate any act or discourse which adopts or promotes, among others, anti-Black racism, anti-Arab racism, Islamophobia, anti-Semitism, sexism, xenophobia, or homophobia.'“

Ein Text über die BDS-Kampagne gegen das von SPEX präsentierte Pop-Kultur-Festival ist in SPEX No. 378 erschienen. Er kann außerdem hier gelesen werden.

Korrektur 14.06.: In einer früheren Version dieses Artikels wurden Young Fathers fälschlicherweise als „Londoner Band“ bezeichnet. Sie stammen aus Edinburgh.

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