Best of 2017: Wir blicken zurück auf unsere Lieblingstexte aus den SPEX-Ausgaben des Jahres. Heute: Das Vorspiel für Gabi Delgado und Robert Görl von DAF

Es ist schwül. Gabi Delgado und Robert Görl sitzen in einem heruntergekommenen Plattenbau in Ost-Berlin und trinken Cola und Dosenkaffee. Im Herbst, fast 40 Jahre nach der Gründung von DAF, erscheinen parallel eine Bandbiografie und ein Box-Set mit den vier Alben aus den Jahren 1980 bis 1982. Und mit zwei neuen Stücken. Eines davon thematisiert die sozialen Medien: „Alle sind im Nirgendwo, keiner ist mehr da.“ Delgado und Görl ficht das nicht an. Sie sind präsent, lachen viel und erzählen, wie es war, in den Siebzigern auszugehen, fünf Tage die Woche, immer die ganze Nacht.

Plastikman
„Spastik“
von der EP Spastik (1993)

Robert Görl: Late Night Club. Sechs Uhr morgens in den nineties. Das wurde gut abgefeiert damals: Nur ein Beat, der sich durchzieht und in sich selbst filtert.
Gabi Delgado: Ich gehe viel aus. So was wird in modernen Discos nicht mehr benutzt.

House klingt heute vielleicht moderner als Techno. Er ist näher am R’n’B, und vor allem gibt es Stimmen.
GD: Der originale House, speziell Chicago House, ist eine der wenigen Dance-Musiken, die Gospel-inspiriert sind, weil viele der Sänger im Gospelchor waren. Vor kurzem habe ich im Hotel Shanghai in Essen aufgelegt, viele moderne Electro-House-Sachen, aber auch ein paar 86er, 87er Chicago-House-Stücke. Es war erstaunlich, wie die Kids darauf abgefahren sind. Bei „We’re Rockin Down The House“ von Adonis kamen zwei Mädchen und fragten: „Was ist das denn?“

Wie haben Sie House erlebt? Haben Sie sich verstanden gefühlt?
GD: DJ Pierre hat mir das gesagt, aber auch Adonis selbst: Er kannte nicht nur Kraftwerk, er kannte auch DAF. Da war ich richtig stolz. Heute ist 80 Prozent der Musik, die in Clubs läuft, nach DAF-Regeln produziert. Es gibt keine Strophe und keinen Refrain, es oszilliert und verändert sich. Wir haben die EBM-Fraktion beeinflusst, Nitzer Ebb, Front 242. Wir haben Elektropunk beeinflusst, Electroclash, Techno. Sprich mal mit Westbam! Du kriegst Respekt von Grufties, richtigen Vogelnestertypen, und von schwulen House-DJs aus Chicago. Das ist toll. Was wir geschaffen haben in der Musik, das war – wie soll man sagen? – ein Sprung von der Dampfmaschine zur Verbrennungsmaschine. Das war fürs Musikmachen insgesamt ein neues Konzept.
RG: Wir haben uns ja auf dem Höhepunkt getrennt. Und dann gehst du in den Club und denkst: „Das darf nicht wahr sein, das klingt ja wie DAF.“ Und dann noch eine Nummer und noch eine. Ist aber nicht DAF. Teilweise hat’s einem den Vogel rausgehauen. Man dachte: Die haben das aber schnell gepackt, diese Maschine.
GD: Ich war so froh. Als ich „We’re Rockin Down The House“ gehört habe, dachte ich, endlich haben die Leute begriffen, wie man Musik machen muss. Adonis hat DAF besser begriffen als Front 242 oder Rammstein.

Mal blöd gefragt: Wie groß war der Einfluss von Stücken wie Donna Summers „I Feel Love“ auf Ihren Sound?
GD: Gar nicht blöd gefragt. Für mich war das meine musikalische Initiation! In einer Schwulendisko, Jim’s Afro Club, habe ich das zum ersten Mal gehört in dieser ellenlangen Version, 11:30 Minuten. Dieses Tuckern des Sequenzers, und dann Sex dazu, einfach Stöhnen. Da dachte ich: „Sex und Elektronik, das ist es.“ Für mich war die Disco mein Wohnzimmer. Ich als Migrantenkind, wie man heute so sagt, war doch heimatlos geblieben. Da war die Disco der erste Platz, wo man sich frei und befreit fühlte.
RG: Da sind wir uns sehr ähnlich. Wir waren beide extrem oft im Club. Das können sich die Leute heute gar nicht mehr vorstellen. Minimum fünf Tage die Woche, immer die ganze Nacht.
GD: Oder sieben Tage.
RG: Da hast du dich verwirklicht, da hast du alle getroffen. Das war das social life, und das war Kunst. Alle Register sind befriedigt worden.

Wann haben Sie begonnen, auszugehen?
GD: Mit 15.
RG: Ich auch.
GD: Das war circa ’75, richtig Disco-Disco. Das ist nach wie vor meine absolute Lieblingsmusik. Disco, das versteht man heute nicht mehr. Ich sage nicht, dass die Gesellschaft heute freier ist. Aber sie ist permissiver, sie erlaubt mehr. In den seventies gab es wirklich noch ganz schlimme Leute, überall, im Bus, auf der Straße. Wenn du komisch aussahst, „angeschwult“, wie das damals hieß, wurdest du angefeindet. Aber in der Disco nicht. Da konntest du eine Turnhose der deutschen Nationalmannschaft tragen und dazu Strapse. Das hatte ich.

„Was wir geschaffen haben war ein Sprung von der Dampfmaschine zur Verbrennungsmaschine.“

Gabi Delgado

RG: Das ist ja witzig, das wusste ich nicht.
GD: Auf der Straße musste ich eine Hose drüberziehen, weil ich sonst verprügelt worden wäre, das ist wirklich wahr. In Jim’s Afro Club gab es viele Schwarze. Es wurde auch Reggae gespielt, da kamen dicke blonde Frauen. Und es kamen die Schwulen und alle, die irgendwie freakig waren, die LSD genommen haben.
RG: Ich war in Münchener Discos unterwegs. Da gab es super Underground-Clubs wie das Between, das war ein Acid-Club. Du bist in diese Welt eingetreten und wolltest nicht mehr raus. Es konnte passieren, dass du plötzlich merkst, es ist nicht der nächste Morgen, es ist schon wieder Abend – und du bist immer noch da. Die Musik war eher dunkle Rockmucke, Led Zeppelin, Black Sabbath, Doors.
GD: Robert ist zwei Jahre älter, damals hat das eine große Rolle gespielt. Zwischen ’73 und ’75 hat sich viel verändert. ’73 gab es KC And The Sunshine Band noch nicht.

20 Fingers
„Short Dick Man“
von der Single „Short Dick Man“ (1994)

GD: Das kenne ich.
RG: Wer kennt das nicht? Das war big in den Clubs.
GD: Das habe ich als DJ immer mit „Set It Off“ gemixt. Aber ich habe die Stimme des Mädels weggedrückt, versucht, dass sie nicht so durchkommt. Damals hatte ich eine Organisation, die hieß No Vocals Necessary.
RG: Ich fand die Stimme sehr sexy.
GD: Aber diese Art zu singen hörst du heute von Ariana Grande bis Rihanna. Das kannst du nicht mehr machen, dieses Freche. Das hat mir vielleicht damals schon nicht richtig gefallen, wenn Mädchen zu sehr auf süß machen.

Aber das ist doch self-empowerment. Da kommt eine Frau und sagt: „Kleiner Schwanz? Find ich nicht gut. Lass mal was sehen!“ Ich habe den Song ausgesucht, weil es bei DAF explizit um Körperlichkeit und Sex geht.
GD: Das hätte ein Typ singen sollen mit einer harten Stimme. Dann wäre es noch besser gewesen.
RG: Wir hatten auch viel mit Sex zu tun, von unserem Image her. Ich glaube, wir kamen sehr sexy rüber. Gabis Stimme, wie er sich darstellt …
GD: … die Musik, die Bewegungen, die Klamotten.

Das Albumcover von Alles ist gut zeigt Sie mit nackten Oberkörpern und Schweiß auf der Haut. Gabi Delgado, Sie haben mal gesagt, die Anklänge an faschistische Ästhetik in Ihrem Artwork und in Ihren Texten seien weniger skandalös gewesen als die Tatsache, dass Sie schwul aussahen, wie Stricher.
GD: Ich möchte das noch mal betonen: Der Faschismusvorwurf wurde uns gemacht. Aber das war weniger provokant als dieser homoerotische Aspekt. Das hat alle durcheinandergebracht, die Rechten wie die Linken. Heute weiß man, dass man Schwule nicht hauen soll.

Und es gibt Rechte, die offen schwul sind.
GD: So viele linksliberale Postulate haben sich durchgesetzt und werden auch von der CDU vertreten, dass das rebellische Potenzial eher auf der rechten Seite verortet wird, bei der Alt-right oder den Identitären.

DAF
„Die lustigen Stiefel“
vom Album Die Kleinen und die Bösen (1980)

„Die deutschen Kinder marschieren ein in Polen / In lustigen Stiefeln“, heißt es in diesem Stück. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?
GD: Es gibt die historischen Tatsachen. Und dann gibt es die Operette, den Hollywoodfilm, es gibt Star Wars, wo auch Nazis rumlaufen, die Stormtrooper vom Todesstern. Das heißt, irgendwann wird alles, und sei es noch so schrecklich, zur Ikone. Der Kapitalismus absorbiert alles, wie die Borg in Star Trek. Alles kann zum Produkt werden. Nehmen wir Bonnie und Clyde, die haben Leute ermordet, das fanden die Leute damals ganz schlimm. 50 Jahre später sind sie Popikonen. Oder Charles Manson. Aber auch Adolf Hitler und die Nazis, die in Polen einmarschieren. Konkret wurde dieser Text ausgelöst durch Sein oder Nichtsein, den Film von Ernst Lubitsch, eine sehr raffinierte Komödie. Da gibt es eine Szene, in der die Deutschen einmarschieren und alles plattmachen. Da dachte ich: „Die lustigen Stiefel marschieren über Polen.“
RG: Das Raffinierte daran ist: Wenn du das sagst, ist es erst provokativ, dann aber löst es alles auf.
GD: Der Trick daran ist das Wort „lustig“. Denn „Die Stiefel marschieren über Polen“ wäre stumpf. Bei mir kommt das aus einer expressionistischen Tradition. Wenn man sagt: „Der Junge spielt am See“, hat man einen normalen Satz. Dann sage ich: „Der Junge spielt mit dem See“. Allein das Austauschen oder Hinzufügen eines Wortes löst alles auf.

„Die lustigen Stiefel“ klingt in meinen Ohren wie aus einem Märchen der Gebrüder Grimm. Es verweist aber auf die Lust, die Leute empfunden haben, als sie sich den Nazis anschlossen oder gar aktiv an Verbrechen beteiligten. Das scheint das Provokante an dem Stück zu sein.
GD: Ja. Ich musste auch an Märchen wie den „Gestiefelten Kater“ denken.
RG: Durch das Märchenhafte kannst du das Schwere des Tabus rausnehmen. Das Märchen ermöglicht es, zu durchschauen, warum das schlecht war.
GD: Manchmal, wenn wir etwa technische Probleme haben, singe ich das a cappella.
RG: Oder ganz zum Schluss, als allerletzte Zugabe, und ich mache nur Bumm-Tschack dazu. Was Minimalistischeres gibt es nicht.
GD: Dann lachen die Leute. Unsere follower verstehen uns sehr gut.

Foto: DAF von Rick Burger

Ton Steine Scherben
„Jenseits von Eden“
vom Album IV (1981)

GD: Als erstes muss ich sagen: sehr schlechtes Schlagzeug.
RG: Ist ein bisschen wie Fehlfarben.

Erkennen Sie die Stimme nicht?
GD: Ist das Jürgen Engler, oder was?

Nein, Rio Reiser.
GD: Ton Steine Scherben waren weit vorne. Ich finde ein paar Sätze von ihnen super gut. Vor allem: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Das ist genau meine Meinung: Macht kaputt, was euch kaputt macht, Kinder! Macht das aber wirklich!
RG: Und von wem kam der Spruch „Keine Macht für niemand“? Der geht fast ins Spirituelle.
GD: Auch von denen. Das ist der zweite Satz. Das war super. Das Schlechte an Ton Steine Scherben waren die deskriptiven Texte. Ich zitiere: „Der Mariannenplatz war blau, so viele Bullen waren da. Und Mensch Meier musste heulen, das war wohl das Tränengas.“ Das ist scheiße.

Kein gutes Gedicht, da gebe ich Ihnen recht.
GD: Ich wollte nur zeigen, dass ich die Texte alle noch auswendig kann. Ich kann mir Texte sofort merken, ob Ringelnatz oder Ton Steine Scherben. Sie waren auch völlig independent, auch das Produktdesign war gut: diese Papphülle mit drei Scheiben drin. Konnte man nur in diesen Autonomenläden kaufen. Als Kind war ich eine Zeit lang in der Antiimperialistischen Liga.

Wegen Ihrer Eltern?
GD: Nein, mein Vater war linientreuer Kommunist. Damals gab es besetzte Häuser und Häuserkampf. Es gab Läden wie vom Schwarzen Stern Bielefeld, das war eine Krawalltruppe, heute würde man sagen Schwarzer Block. In dem Laden habe ich mir Keine Macht für niemand zusammen mit dem Handbuch für Hausbesetzer gekauft, als Bundle.

Gab’s Rabatt?
GD: Das weiß ich nicht mehr. Respekt für Ton Steine Scherben. Rio Reiser hatte eine Riesenausstrahlung.
RG: Man konnte erkennen: Das war neu.

Abwärts
„Beim ersten Mal tut’s immer weh“
vom Album Der Westen ist einsam (1982)

RG: So klangen viele Bands Anfang der Achtziger.
GD: Wer ist das denn?

Abwärts.
GD: Abwärts! Die waren korrekt drauf.
RG: Musikalisch wäre uns das aber zu rockig gewesen.
GD: Wir wollten den neuen Spirit mit neuer Musik versehen. Eine neue, tolle Bewegung, und dann spielt man so alten Rock’n’Roll? Wir konnten uns das gar nicht erklären: Sie reden immer vom Scheißvater, Scheißvater, Scheißvater. Aber nehmen dann die Instrumente vom Vater. Was ist da los?
RG: Wir haben am Anfang auch mit Gitarre experimentiert. Als Gabi und ich DAF gegründet haben, hatten wir zwar schon die Idee, dass es ganz minimalistisch sein soll. Wir sind aber den Umweg über Mitmusiker gegangen.
GD: Es gab noch keine Synthesizer auf dem Markt, die wir uns leisten konnten. Wir hatten nichts. Aber überall im Ratinger Hof in Düsseldorf standen Musiker herum. Okay, machen wir eine Band? Dann nehme ich mir ein paar Musiker. So war das.
RG: Das war noch ein bisschen konventionell. Aber wir haben uns schnell wieder davon getrennt.
GD: Als die ersten Synthies kamen, die man sich leisten konnte, ging das ganz schnell.
RG: Zack, waren wir ein Duo.

Bei Ihrem ersten Album konnte man aber schon ahnen, was später daraus werden sollte.
GD: Ich höre grade nur Disco und Flamenco. Vor kurzem bin ich aber meine Singles durchgegangen und habe gemerkt: Das ist nur englisches Zeug – Buzzcocks, Wire, Siouxsie And The Banshees – und alles besser als das deutsche Zeug. Es war toll, auf Deutsch zu singen, und die Texte sind oft das Beste. Aber wenn du dir Buzzcocks anhörst, das ist ein Riesenunterschied. Das appelliert an Gefühle. Deutsche Musik zu dieser Zeit war oft sehr oberflächlich, die weckt keine Gefühle.

„Ausgehen war das social life, und es war Kunst. Alle Register sind befriedigt worden.“

Robert Görl

Wenn man Bands wie Buzzcocks heute hört, merkt man, wie nah das an den Beatles ist. Das sind die Harmonien von Popsongs.
GD: Es gibt kein künstlerisches Medium, das so wie Musik in der Lage ist, Gefühle zu wecken. Weil die Rezeptoren für das Empfinden von Musik so nah am Erinnerungskortex liegen, populärwissenschaftlich ausgedrückt. Was Musik auslöst, ist Erinnerung an Gefühle, nicht die Gefühle selbst. Worte wiederum können Ideen vermitteln. Musik verändert nicht die Welt. Worte verändern die Welt. Die Bibel, Das Kapital, die Bild-Zeitung. Wenn du ein bestimmtes Gefühl, das Robert mit seiner Musik auslöst, mit der richtigen Idee, die der Text auslöst, verbindest, dann fährt das den Leuten viel mehr ein.

Was spielen wir als nächstes? Ich muss kurz in mich gehen.
GD: In der Zwischenzeit spreche ich über ein Stück, das eines der größten überhaupt ist: „Moody“ von ESG.

Ich habe die Platte zu Hause, aber nicht dabei. Wieso fällt Ihnen das jetzt ein?
GD: Weil es das Stück ist, das den ganzen gender bender, diese New Yorker Version der neuen Musik, repräsentiert. Und es ist Disco-Punk! Es wird immer vergessen, dass es früher Disco-Punk gab. ESG sind so ein tolles Beispiel dafür. Für independent, für lesbisch, für Punk, aber auch für Disco.

Suicide
„Dance“
vom Album Suicide: Alan Vega Martin Rev (1980)

GD: Super, das gefällt mir. Das erste Stück, das mir heute noch gefällt. Dazu kann man tanzen. Das ist für mich das Wichtigste. Sind das Suicide? Suicide sind großartig. Das sind die einzigen neben DAF, die ich wirklich gut finde.

„Dance with me, baby“ könnte auch eine Gabi-Delgado-Zeile sein.
GD: Ich finde, dass Suicide und Adonis DAF am nächsten kommen. Sie hatten auch dieses Zweierkonzept: Einer macht die Musik, einer macht die Texte und ist der Frontmann. Wenn man Parallelen sucht, findet man die viel eher bei Suicide als bei Kraftwerk oder Can, was man manchmal hört. Also nee, nee! Ich habe Suicide als Vorgruppe von Elvis Costello gesehen, Ende der Siebziger. Der Unterschied zu DAF ist, dass Suicide keinen Schlagzeuger haben.

Robert Görl, Ihr Schlagzeugspiel prägt den Sound von DAF maßgeblich. Jedes Stück hat einen eigenen, sehr einfachen, aber doch außergewöhnlich synkopierten Beat.
RG: Aber straight sind sie, die Beats, es ist nicht gejammt. Es ist ein designter Beat für jedes Stück.
GD: Robert ist einer der besten Schlagzeuger überhaupt. Es ist verspielt und synkopisch. Robert geht auf ganz spezielle Punkte, nicht auf die Eins, die Zwei, die Drei, die Vier.
RG: Manche sagen mir: Das gibt’s ja nicht, der schlägt genau dazwischen rein. Ich habe das ja sogar studiert, vier Jahre lang. Ich habe Leute getroffen, die haben in mir afrikanisches Blut gespürt. Die hörten in diesen Beats afrikanische Betonungen und Rhythmen.

Haben Sie viel afrikanische und afroamerikanische Musik gehört?
RG: Wenn du so viele Jahre so intensiv spielst, dann geht es dir ins Blut über. Dann finden manche Leute das schwarz. Es fällt ihnen nichts anderes dazu ein, weil es kein „normaler“ Beat mehr ist. Da dreht sich der Körper anders.

Die afrikanische Rhythmik ist älter, aber vor dem Jazz war sie in Europa kaum bekannt.
RG: Das sind die Ursprünge. Ich habe das als große Respektsbekundung empfunden. DAF-Gütesiegel: Afrika.

Dieses Interview erschien in unserer Printausgabe SPEX No. 376, die weiterhin versandkostenfrei im Shop erhältlich ist.