Von Missgunst und Ermächtigung: JaKönigJa »Woher kommst du?« / Videopremiere

Sag mal, woher kommst du? Und was bist du eigentlich? JaKönigJa widmen sich wieder den toten Winkeln der Existenz. Das Video der Hamburger Band feiert heute auf SPEX.de Premiere.

»Die Musik von JaKönigJa appelliert an ein Außen, das ökonomische und ästhetische Sachzwänge hinter sich lässt«, fasst Aram Lintzel in SPEX N°369 Emanzipation im Wald zusammen. Tatsächlich schickt unser aktuelles Album der Ausgabe der Hamburger Instrumentenstreichler seine Protagonistin, Sängerin und Cellistin Ebba Durstewitz, auf eine Reise mitten ins aufgeschichtete Sediment der menschlichen Seele. Ins Unterholz, könnte man sagen.  Der Wald ist dabei nicht mehr als nur eine Chiffre, Durstewitz findet in ihm eine vermooste Entsprechung ihrer Selbst: nämlich Unbekanntes und Unbeantwortetes.

Die Antwort auf die titelgebende Frage bleibt entsprechend vage. Zu zurückgelehnter Laurel-Canyon-Gitarre  mäandert »Woher kommst du?« durch eine Auswahl von Möglichkeiten, der Song dreht am Globus ohne den Finger final auf einem Ziel zu positionieren. Es scheint um den menschlichen Körper zu gehen, was er will, wohin er will und, wenn wir schon einmal dabei sind, warum er das alles eigentlich will. Aber wer weiß das schon so genau?

Durstewitz‘ Stimme gibt jedenfalls keinen Anhaltspunkt. So sachlich wie aus einem Anatomiebuch vorgelesen erzählt sie von Rebellion und Auflehnung, davon, dass Fehlschlag, Missgunst und Ablehnung zusammengenommen zur Ermächtigung werden. Ausbrüche? Fehlanzeige. Warum auch, schließlich ist die Stimmung »so lala«, das Barometer zeigt keine Ausschläge. Es geht nicht um gefühlsechte Beschreibung, sondern um eine fehlerfreie Katalogisierung des seelischen Inventars.

Regisseur Timo Schierhorn und Künstlerin Katharina Duve inszenieren das begleitende Video im selben Spannungsfeld zwischen meditativer Schönheit und wissenschaftlicher Sachlichkeit. Ebba und Jakobus Durstewitz schweben mithilfe antiqiuerter Landkarten durch eine Vielzahl von Orten, scheinen dabei die Welt kurzzeitig auf ihren Schultern zu tragen. Antworten gibt das an Matthew Cusicks Landkartenkunst erinnernde Filmchen ebenfalls nicht. Es vertieft viel eher den Eindruck, dass das Ich in der Suche lebt. Missgunst oder Ermächtigung? Am besten beides.

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