Von Mann zu Mann: Antilopen Gang veröffentlichen Video-Statement zum HipHop-Homophobie-Shitstorm

Als Statement zum aktuellen Homophobie-Shitstorm in der HipHop-Community, der durch ein Albumcover das Berliner Musikers Bass Sultan Hengzt ausgelöst wurde, hat die Deutschrap-Combo Antilopen Gang ein »softpornografisches Video« zum Song »Verliebt« veröffentlicht. Vor der Kamera busserlnd vereint: Alle. Und noch viele mehr. Es grüßen mit Luftkuss: Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen, Fernsehkoch Ole Plogstedt, die Punkband Die Bullen, Monchi von Feine Sahne Fischfilet, Fettes Brot und Co.

Zum Kontext: Am 22. Februar postete der Berliner Rapper Bass Sultan Hengzt ein Cover-Bild der Deluxe-Variante seines neuen Albums Musik Wegen Weibaz auf Facebook. Darauf zu sehen: Zwei Männer kurz vor dem Kuss. Danach zu lesen: Kommentare deutlich unter der Demarkationslinie des Erträglichen.

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Der in den vergangenen Tagen durchs Netz pfeifende Scheißestorm ist gelinde gesagt ein Armutszeugnis für viele Anhänger der HipHop-Community und für mindestens genauso viele Anhänger der Musik Grund, den Homophobikern unter den vermeintlich Gleichgesinnten für ihre in derbstem Fäkalvokabular formulierten Präsintflut-Ansichten verbal eins reinzugrätschen. Mehr als eine Pinnwand-Schmierage von der B. S. H.-Seite will man eigentlich nicht lesen:

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Der Konter folgte ebenso wortgewaltig:
»Scheiss auf die verlorenen 100 likes! Braucht kein Mensch! Die Welt muss endlich wach werden!«
»(K)orrekter Move! Feier ich extrem. Wie die homophobe Fraktion hier abweint, das macht mich fast ein bisschen Horny. Würde voll gerne mit euch Homophobikern fummeln. Wenn ihr Lust habt auf fummln und Glitzerstaub streuen, meldet euch doch gerne. Mad Propz an dich Hengzt! Dopes Zeichen gegen diese Mittelalter-Pfosten!«

Hengzt avancierte kurzerhand zur Schwulen-Ikone der Regenbogen-Blätter, wurde vom jungen Online-Ableger der Süddeutschen Zeitung zum Blitz-Interview gebeten und sein im Mai erscheinender Langspieler wird sich mutmaßlich erste Sahne verkaufen. Alles legitim, alles okay – weil B. S. H. einen wichtigen Diskurs angestoßen hat. Was darüber leider vernachlässigt wurde, ist der Fakt, dass das reguläre Cover-Artwork von Musik Wegen Weibaz eher im Reigen der gängigen klischierten HipHop-Bildsprache zu verorten ist. Schade.

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Ein Doppelinterview mit Koljah von der Antilopen Gang und Haftbefehl ist auf spex.de erschienen sowie in der Printausgabe SPEX N° 358, die versandkostenfrei im Online-Shop bestellt werden kann.

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