Von Kopf bis Fuß

er (»Pornographie – Männer beherrschen Frauen«) und fiktionaler Texte (»Eis und Feuer«), rastlose Streiterin für Frauenrechte, die am 09. April in Washington verstorben ist, hätte vermutlich zugestimmt, dass es sich bei Verlust um eine Übertreibung handelt. Bezog sich Dworkins Radikalität unter anderem auf die beharrliche Position contra Pornografie, während in der Diskussion nicht nur rechts-konservative männliche Widersacher mittlerweile divergente Töne angestimmt haben, so wusste sie im Sinne der Beharrlichkeit den Wert eines Fundus über das Leben hinaus zu schätzen: »There’s nothing that has more to do with survival than a library«, formulierte sie als Konsequenz. Und zwar vor allem für Frauen, deren Werke vor dem Verschwinden(lassen) zu schützen seien. So bleibt Dworkins Stimme durch ihr umfangreiches Werk erhalten – und wird nur nichts Neues (Beharrliches) mehr formulieren. Doch mögen auch in Zukunft noch interessante Diskussionen um das geführt werden, was Andrea Dworkin gesagt hat, falls sich ordentlich darum gekümmert wird.

Wider die Banalisierung des Geschlechtsverkehrs und über die Reglementierung historischer und gegenwärtiger Eigentumsverhältnisse durch ihn handelte Dworkins Kampf. Ein Auszug, der die Unversöhnlichkeit ihrer Theorie verdeutlicht: »Frauen sind als Ehefrauen Leibeigene für Männer gewesen, als Prostituierte, als Sex- und Reproduktionsdienerinnen. Jemandem gehören und gefickt werden, sind oder waren im weiblichen Leben praktisch Erfahrungen mit gleicher Bedeutung. Du gehörst ihm; er fickt dich. Das Ficken kennzeichnet die Art der Eigentumsverhältnisse: Du gehörst ihm von Kopf bis Fuß.« Dass eine untröstliche polemische Haltung in Zeiten wie diesen nicht einfach Gleichberechtigung im Weg steht oder Diskriminierung erzeugt, sondern als Mittel gegen Pseudoliberalität und patriachale Logik vonnöten ist, bleibt keine Übertreibung. Man denke nur an die kultische Verehrung oberster katholischer Moralhüter oder an hiesige »Familienpolitik«.

Andrea Dworkin wurde 58 Jahre alt.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass der Feminismus am vergangenen Samstag eine seiner radikalsten Stimmen verloren hat. Andrea Dworkin, US-amerikanische Autorin vieler nicht-fiktionaler (»Pornographie – Männer beherrschen Frauen«) und fiktionaler Texte (»Eis und Feuer«), rastlose Streiterin für Frauenrechte, die am 09. April in Washington verstorben ist, hätte vermutlich zugestimmt, dass es sich bei Verlust um eine Übertreibung handelt. Bezog sich Dworkins Radikalität unter anderem auf die beharrliche Position contra Pornografie, während in der Diskussion nicht nur rechts-konservative männliche Widersacher mittlerweile divergente Töne angestimmt haben, so wusste sie im Sinne der Beharrlichkeit den Wert eines Fundus über das Leben hinaus zu schätzen: »There’s nothing that has more to do with survival than a library«, formulierte sie als Konsequenz. Und zwar vor allem für Frauen, deren Werke vor dem Verschwinden(lassen) zu schützen seien. So bleibt Dworkins Stimme durch ihr umfangreiches Werk erhalten – und wird nur nichts Neues (Beharrliches) mehr formulieren. Doch mögen auch in Zukunft noch interessante Diskussionen um das geführt werden, was Andrea Dworkin gesagt hat, falls sich ordentlich darum gekümmert wird.nnWider die Banalisierung des Geschlechtsverkehrs und über die Reglementierung historischer und gegenwärtiger Eigentumsverhältnisse durch ihn handelte Dworkins Kampf. Ein Auszug, der die Unversöhnlichkeit ihrer Theorie verdeutlicht: »Frauen sind als Ehefrauen Leibeigene für Männer gewesen, als Prostituierte, als Sex- und Reproduktionsdienerinnen. Jemandem gehören und gefickt werden, sind oder waren im weiblichen Leben praktisch Erfahrungen mit gleicher Bedeutung. Du gehörst ihm; er fickt dich. Das Ficken kennzeichnet die Art der Eigentumsverhältnisse: Du gehörst ihm von Kopf bis Fuß.« Dass eine untröstliche polemische Haltung in Zeiten wie diesen nicht einfach Gleichberechtigung im Weg steht oder Diskriminierung erzeugt, sondern als Mittel gegen Pseudoliberalität und patriachale Logik vonnöten ist, bleibt keine Übertreibung. Man denke nur an die kultische Verehrung oberster katholischer Moralhüter oder an hiesige »Familienpolitik«.nnAndrea Dworkin wurde 58 Jahre alt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .