Vom Strand zum Berg zur Wüste

Am Freitag findet die zweite Ausgabe von Spex Live vor ausverkauftem Haus in Hamburg statt, für alle ohne Ticket kommt hier das Trostpflaster: Schon am 12. Mai findet Spex Live erneut statt, dann wie im Vorjahr im Berliner Club Berghain. Auf Twitter wurde bereits über Termin und Booking spekuliert, dem möchten wir gerne einen Schuss Bestätigung hinzufügen: Als erste Zusage freuen wir uns über das Konzert des fabelhaften Weird-Pop-Duos High Places, die im Rahmen von Spex Live ihr neues Album »High Places vs. Mankind« vorstellen werden.

    Das zweite Studioalbum der ursprünglich aus Brooklyn stammenden und heute in Los Angeles lebenden Band wird Anfang April auf Tthrill Jockey Records erscheinen und soll deutlich Songorientierter, gesanglich weniger verfremdet und Gitarrenlastiger ausfallen. Inhaltlich wollen Mary Pearson und Rob Barber die großen Themen des Lebens unterbringen: Liebe, Sucht, das Altern und der Tod. Ende letzten jahres veröffentlichten High Places bereits die neue Digital-Single »I Was Born«, in den nächsten Wochen soll ein zweites Stück des Albums von einem Musikvideo begleitet ausgekoppelt werden.

    Im Interview äußerten sich Pearson und Barber zu den Gründen ihres Umzugs an die Westküste, den musikalischen Neuerungen auf »High Places vs. Mankind«, dem Aufnahmeprozess des Albums, Cover-Versionen von Burial sowie zu ihrem Wunsch-Kollaborateur David Lee Roth.

 

High Places LiveIhr seid kürzlich von New York nach Los Angeles gezogen – warum der Ortswechsel? War die »The Smell«-Umgebung ein Grund dafür?
    Rob Barber: Wir beide haben Kalifornien schon immer sehr geliebt, gerade hinsichtlich der Natur. Der Ozean, die Berge, die Wüste und eine sehr große Bandbreite dazwischen. Der Strand ist im Winter beispielsweise sehr warm, tagsüber braucht man in der Regel keine Jacke. Und dennoch gibt es nur wenige Kilometer von meiner Wohnung entfernt hohe Berge die kürzlich erst Schneebedeckt waren. Die Musik- und Kunst-Gemeinschaft in Los Angeles – und dazu gehört natürlich auch »The Smell« – war außerdem ausschlaggebend. Wir haben hier viele Freunde, das hat den Umzug erleichtert. Wir hatten den Eindruck, irgendwie besser hierher zu gehören, obwohl ich den Großteil meines Lebens in New York verbracht habe. New York City ist ein erstaunlicher Ort, den wir nur mit den besten Erinnerungen verbinden. Aber wir suchten auch eine Veränderung unseres Lebensstils, was letztlich auch der eigenen Kreativität gut tut.
    Mary Pearson: Einer der Hauptgründe für den Umzug war für mich der kalte, lange Winter in New York. Bei jedem Besuch in L.A. wurde ich daran erinnert, wie viel wohler und glücklicher ich mich hier fühle. Rob und ich führten die Umzugsgespräche schon seit der Gründung von High Places vor vier Jahren. Und bis zu unserem Umzug fühlte es sich immer so an, als versuchten wir kalifornische Miniaturen in unseren Songs unterzubringen.

Und welche Veränderungen kann man nun von dem neuen Album erwarten?
     Rob: Seit unseren Anfängen haben wir immer versucht, Musik zu machen, die hoffentlich nicht Genre-spezifisch ist. Mit diesem Album haben wir verstärkt konventionelle Instrumente benutzt, bedienen diese aber immer noch in unserer streuenden und Collagen-haften Art und Weise. Das Schichten von Klängen ist uns immer noch sehr wichtig, aber wir wollten hier und da mehr mit Rock- und Dance-Strukturen arbeiten. Wir beide hören sehr viel sehr unterschiedliche Musiken, und das wollten wir wohl auch deutlicher als mit unserem letzten Album »High Places« zum Ausdruck bringen.

Habt ihr für »… vs. Mankind« mit anderen Musikern gearbeitet? Oder bleibt die Musik strikt in eurer Hand?
    Rob: Wir nehmen immer noch alles in Eigenregie auf, und das immer noch auf ziemlich merkwürdige und unkonventionelle Art. Ich kann mir mich selbst damit nicht in einem Tonstudio vorstellen, gemeinsam mit einem Produzenten schon gar nicht. Für meine Parts brauche ich derart lange, von der Schichtung der Einspielungen ganz zu schweigen. Zudem beschäftige ich mich mit Musik oft in bizarren Arbeitsrhythmen, weshalb mir die Heimarbeit im fall spontaner Ideen eher zusagt. Meistens läuft es eben auf spätnachts hinaus. 
    Mary: Und da wir immer noch Kompositionen von vorab aufgezeichneten Songskizzen manuell miteinander verbinden, ist der Aufnahmeprozess für uns sehr wichtig. Aber wir haben den Filmmusikproduzenten Tom Biller angeworben, um uns mit der Abmischung des Albums zu helfen. (Biller hat u.a. Teile der Soundtracks zu »Eternal Sunshine of the Spotless Mind« und »Where the Wild Things Are« abgemischt und war außerdem an den Aufnahmen zu Evangelistas Album »Hello, Voyager« beteiligt, Anm. d. Red.)

Eure neue Single »I Was Born« klingt wesentlich zugänglicher als eure früheren Songs. War das eine eher beiläufige Entwicklung? Oder geht der Song als Ausblick auf das Album durch?

    Mary: Wir haben uns mit unserem Sound gewissermaßen immer entlang einer bestimmten Flugbahn bewegt. In anderen jüngeren Stücken wie »Late Bloomer« hört man einen weniger sonnigen, stärker strukturierteren Klang. In diesem Sinne also: Ja, »I Was Born« wirft Schatten auf das neue Album.
    Rob: »I Was Born« war sicherlich das düsterste unserer bisherigen Stücke, was sicherlich auch mit dem Veröffentlichungstermin der Single zu Halloween zu tun hatte. Ich hoffe aber, dass die neuen Stücke als deutlich diverser wahrgenommen werden, in Sachen Stimmung als auch im Gesamtklang.

Apropos düstere Stimmung: Kennt ihr die Cover-Version eures Songs »From Stardust to Science« von Banjo or Freakout, einem unglaublich begabten italienisch-britischem Künstler?
    Rob: Alessio! Wir haben schon einige Male gemeinsam mit ihm Konzerte gegeben, in Norwegen und London. Er ist ein toller Typ und tatsächlich enorm begabt. Und dann wählte er unter allen unserer Songs den wohl trickreichsten aus – und hat das Stück festgenagelt. Eine wundervolle und einzigartige Interpretation, ebenso wie sein Cover von Burials »Archangel«. Ich habe noch niemanden etwas so komplexes wie ein Burial-Stück so geschickt interpretieren hören.

Auf eurem Blog habt ihr im letzten Jahr als Gag euer drittes Bandmitglied vorgestellt. Aber Spaß beiseite: Wenn ihr wirklich ein neues Mitglied wählen könntet, wer wäre dies? Und wie würde eure Band dann heißen?
    Rob: David Lee Roth! Er würde dann singen, was Mary und mir auf der Bühne mehr Raum zum herumfliegen zwischen Kabelsträngen ließe. Wir könnten dann die Bühne mit einem Panzer befahren – das würde in unserer heutigen Situation als Duo natürlich merkwürdig aussehen. Aber mit Diamond Dave wären wir sehr viel cooler!
    Mary: Und wenn wir David Lee Roth wählen würden, bräuchten wir auch den passenden Namen: High from the Heat? Crazy from the Places?

 


VIDEO: High Places – I Was Born

Spex präsentiert Spex Live:
12.05. Berlin – Berghain (mit High Places, u.a. TBA)

High Places Live:
24.04. CH-Düdingen – Bad Bonn
27.04. A-Graz – Explosiv
28.04. CH-St. Gallen – Grabenhalle
12.05. Berlin – Berghain (Spex LIve)

High Places vs. Mankind:
01. The Longest Shadows
02. On Giving Up
03. She’s a Wild Horse
04. The Channon
05. Canada
06. Constant Winter
07. On a Hill in a Bed on a Road in a House
08. Drift Slayer
09. The Most Beautiful Name
10. When It Comes

Fotos: ccListen Missy! / Flickr

7 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.