Volcano!

»Paperwork« ist eine jener Platten die man erst ein paar Mal anhören muss bevor man anfangen kann sie richtig zu ›hören‹. Anfangs erschlägt einen das zweite Album des Artrock-Trios Volcano! aus Chicago mit hektisch-beschäftigtem Schlagzeugspiel und allerlei elektronischen Seltsamkeiten. Da gurgeln und furzen die Synths, bringen hysterisches Vogelzwitschern, Laserfeuer und anderen Irrsinn ins Spiel als würden Deerhoof oder Q And Not U von einem besonders aufgedrehten Four Tet geremixt. Doch Volcano! machen keine von Grund auf komplizierte Musik, die Basis ihrer Songs bilden simple Grundrhythmen und die Melodien von Sänger Aaron With, die derartig auseinandergezogen und mit dem komplexen Instrumentalspiel – manchmal subtil, manchmal rabiat – verflechtet werden, dass man sie beim ersten Hören nicht unbedingt findet.

    Das eröffnende »Performance Evaluation Shuffle« ist mit dreieinhalb Minuten Länge noch eines der kürzeren Stücke und weiß schnell mit seinen nervösen Noiseausbrüchen zu gefallen. »Africa Just Wants To Have Fun« bietet Call-and-Response-Dynamik zwischen Gesang und Gitarre und zeigt Parallelen zum ähnlich betitelten Hit Cindy Laupers auf. In »Tension Loop« rücken die Instrumente bedrückend nah aneinander, bis sich das Stück in der zweiten Hälfte immer mehr entspannt. Spätestens ab »Astronomer’s Ballad« setzt beim Hörer langsam Ermüdung ein, clevererweise beginnt hier auch der verhältnismäßig entspannte Teil von »Paperwork«, die Intensität wird an allen Fronten zurückgeschraubt, was Momente wie das Anschwellen der Gitarre im stimmungsvollen »Palimpsests« klarer herausstechen lässt. Gewiss könnten Volcano! es sich und ihren Hörern leichter machen wenn sie ihre Musik weniger überfrachten würden. Ob diese dann noch den gleichen Reiz hätte ist jedoch fraglich.

Anm. d. Red.: Der Autor betreibt an anderer Stelle das Musikblog »Auf ein Neues«.

LABEL: The Leaf Label

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 29.08.2008

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