Visueller Brückenschlag: Erstes griechisches Filmfestival »Hellas Filmbox Berlin«

Foto: Filmstill aus Paolos Dream

Vom 21. bis zum 24. Januar findet das erste griechische Filmfestival, Hellas Filmbox Berlin, im Kino Babylon statt. An vier Tagen werden satte 71 Filme präsentiert, die veranschaulichen, was in den letzten fünf Jahren in und außerhalb Griechenlands an hochaktuellen, spannenden und verstörenden Bewegtbildern entstanden ist – ein Brückenschlag. 

Hellas galt in Deutschland jahrzehntelang als ein ewiger Ort zum Loslassen, Träumen und Erkunden. Für etliche Menschen existiert er noch immer, trotz anhaltender Finanzkrise. Würde man allerdings der medialen Berichterstattung über Griechenland in Deutschland eine Farbe zuordnen, wäre diese inzwischen ganz sicher Schwarz.

Auch, um darauf zu reagieren, präsentiert Hellas Filmbox Berlin vom 21. bis zum 24. Januar Werke griechischer Filmemacher im Berliner Traditionskino Babylon, um das deutsche Publikum mit dem vielseitigen Kino Griechenlands von Spiel- über Dokumentar- und Kurzfilm bis New Vision bekanntzumachen.

Im Rahmen der ersten Auflage des Festivals werden 71 Filme gezeigt. Da die Streifen nicht älter als fünf Jahre sind, spiegeln sie hochaktuell das wieder, was griechische Filmemacher während der Finanzkrise erlebt und verarbeitet haben.

»Wir möchten an den emotionalen und politischen Bruchstellen zwischen Griechenland und Deutschland ansetzen.«

Was konkret möchten die Initiatorinnen im ersten Jahr anstoßen? »Film ist ein universelles, verbindendes und zugleich streitbares Medium. Es nimmt Einfluss auf die Träume, Sehnsüchte und Ängste der Menschen«, meint Sandra von Ruffin, Schauspielerin und Vizedirektorin des Festivals, zur Intention, »wir wollen mit unserem Festivalprogramm vor allem das deutsche Publikum erreichen und den Zuschauern die ganz eigene Sicht griechischer Filmschaffender auf die menschliche Seele offenbaren.« Astrid Kutulas, Gründerin der Deutsch-Griechischen Kulturassoziation e.V., ergänzt: »Wir möchten an den emotionalen und politischen Bruchstellen zwischen Griechenland und Deutschland ansetzen, um konstruktive Reaktionen auf den aktuellen Konflikt zwischen den Ländern anzuregen. Beim Film gehen die Meinungen (fast immer) auseinander, und das ist die beste Voraussetzung für kontroverse Diskussionen.«

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Foto: Filmstill aus Chevalier

Im Kontext dieser emotionalen und politischen Bruchstellen zeigt das Hellas Filmbox Berlin ein breites Programm an international ausgezeichneten Spielfilmen wie etwa Chevalier von Attika Rachel Tsangari, der 2015 den Hauptpreis auf dem 59. BFI London Film Festival erhielt, oder Klein England von Pantelis Voulgaris, der sechs nationale und drei internationale Awards gewonnen hat. Zudem wurde Ektoras Lygizos‘ Der Junge der von Vogelfutter lebt 2013 für den nicht englisch-sprachigen Oskar nominiert.

Unter den Dokumentarfilmen sind vor allem Red Zone und Evaporating Borders, die sich mit der griechischen und europäischen Flüchtlingsproblematik beschäftigen, oder Agora, der auf die Schuldenkrise fokussiert, dringend empfohlen. Mit No Subtitles Necessary: László and Vilmos über die gleichnamigen Kameramänner vom griechischen Regisseur James Chressanthis, ist überdies ein Streifen im Programm, in dem auch Hollywood-Größen wie Sandra Bullock, Sharon Stone, Barbara Streisand und John Williams zu Wort kommen.

no subtitles necessary

Foto: Filmstill aus No Subtitles Necessary

Hellas Filmbox Berlin 2016
21. – 24. 01. Berlin – Babylon
Mit Kein England (Eröffnungsfilm), Red Zone, No Subtitles Necessary, Die Patin, Der Junge der von Vogelfutter lebt, Agora, Paolos Dream, Evaporating Borders, Chevalier (Abschlussfilm), u.v.a.
Alle weiteren Infos gibt es hier.

1 KOMMENTAR

  1. Der im ersten Bild zu sehender Mann ist der Italiener Paolo Theobaldelli, ein in Exarcheia, Athen anarchischer Philosoph.

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