Vince Staples veröffentlicht neue EP »Prima Donna«

Neues vom Hexer: Knapp ein Jahr nach seinem bahnbrechenden Doppelalbum Summertime ’06 legt der personifizierte real talk aus Long Beach, Kalifornien eine ausgrechnet von James Blake produzierte EP nach. Blake hin oder her – Prima Donna beweist auf nur sieben Tracks, was wir ohnehin schon wussten: Vince Staples ist einer der besten Rapper unserer Zeit. Punkt.

»Ich bin nur Rapper geworden, weil ich nicht wusste was ich sonst hätte tun sollen um Geld zu verdienen«, erzählte Vince Staples in SPEX N°363. Rückblickend kann man sagen: Ein Glück, dass der junge Mann aus dem kalifornischen Problembezirk North Long Beach nicht zum örtlichen Arbeitsamt ging, um dem eigentlich für ihn vorgezeichneten Gangleben zu entgehen. Nach zwei herausragenden Mixtapes setzte Staples vergangenes Jahr mit seinem Debütalbum Summertime ’06 einen Meilenschein des Genres, das zurecht auf Platz fünf der SPEX-Redaktionscharts 2015 landete.

Selten wurde die bedrückende Lebensrealität des schwarzen Amerika direkter und schonungsloser ausgedrückt, als auf Summertime ’06. Die Beats auf den 20 Songs waren bis auf die Knochen abgemagert, nagelten blechern und unterkühlt die Stimmungslage fest zu der Staples von seinem Sommer 2006 erzählte. Damals tauchte er als Pre-Teen in die Welt von Drogenhandel, Auftragsmorden und Zuhälterei ein – und verarbeitete seine eigenen Erfahrungen nun ohne Umschweife zu einer erschreckende Sozialstudie eines Amerika 50 Jahre nach Malcolm X.

Was sollte nach so einem Album noch kommen? Die Antwort gibt Staples nun auf Prima Donna. Die EP ist ein ausgestreckter Mittelfinger an all jene geworden, die ihn für ein One-Hit-Wonder hielten. Die sieben Tracks  wurden von R’n’B-Trauerkloß James Blake produziert, auf zwei Tracks finden sich Kilo Kish und A$AP Rocky als Stargäste. Von Blakes Produktion merkt man jedoch ebenso wenig, wie kürzlich auf Frank Oceans beiden neuen Alben. Prima Donna geht unbeirrt den schon auf Summertime ’06 eingeschlagenen Weg weiter. Die Musik ist weiterhin hoffnungslos düster, es gibt wieder vereinzelte verzerrte Gitarren, tiefe Bässe und jede Menge Fickt-euch-alle-Flow. Prima Donna ist der logische nächste Schritt nach Summertime ’06 – es ist auf den ersten Blick mindestens genauso gut wie sein prominenter Vorgänger, legt mit Songs wie dem Titeltrack »Prima Donna« (feat. A$AP Rocky) oder dem unglaublichen »Big Time« (schon jetzt der Rap-Song des Jahres!) sogar noch eine Schippe drauf. Was danach kommen soll, wenn Staples mit dieser Intensität weitermacht? Wir wissen es auch nicht.

Ein ausführlicher Artikel über Vince Staples und seine Bezugspunkte zur Ermächtigungs-Agenda der großen Nina Simone gibt es in SPEX N°363, die man weiterhin versandkostenfrei in unserem Shop bestellen kann.

 

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