Vier Farben Schwarz

Die neue Spex #328 ist ab dem 20. August am Kiosk erhältlich. Max Dax gibt im Editorial einen Überblick über die Themen der aktuellen Ausgabe.


Loveparade, Berlin 2000 (Foto: © Max Dax)

    1. Duisburg heißt in unserer Sprache Doomsday. 21 Tote, über 500 Verletzte. Unser Mitgefühl den Hinterbliebenen und Traumatisierten.

    2. Der amerikanische Modeschöpfer Rick Owens sagt in diesem Heft im Gespräch mit Jan Kedves über seine Lieblingsfarbe Schwarz: »Seien wir ehrlich: Jeder Mensch ist fasziniert vom Tod. Auf sämtlichen Magazintitelseiten der Welt sind Stars abgebildet, die sich mit Drogen an den Rand des Grabs bringen. Wir schauen ihnen gern dabei zu. Und jeder Mensch bremst auf der Autobahn, wenn es dort einen schweren Unfall zu sehen gibt – besonders, wenn es ein gutaussehen- der, noch junger Mensch ist, der dort im Sterben liebt.«

Spex #328 Titelbilder    3. In unserer Titelgeschichte »Kunstsprache« über die Überwindung tradierter Erzählstrukturen im Theater und seinen Satelliten erzählen Christoph Schlingensief, René Pollesch und Monika Gintersdorfer davon, wie sie ihrer Textproduktion eine eigene Autorposition, eine unverwechselbare Sprache haben injizieren können. Fast ein Jahr lang zog es sich hin, bis Christoph Schlingensief schließlich nicht nur einwilligte, sondern tatsächlich auch zum Interviewtermin erschien. Obwohl der schwerkranke Theaterdramaturg, Film- und Opernregisseur in der Vergangenheit viele Interviews gegeben hat, zögerte er mit der Zusage, sich erstmals ausführlich zu seiner Arbeit am Wortwerk, der Praxis des Schreibens zu äußern. Doch als die Entscheidung dann schließlich gefallen war, gab es kein Halten mehr.

    Schlingensief erlaubt tiefe Einblicke in die Privatheit des Schreibens: »In der Nacht herrschen einfach ein anderer Sound und eine andere Energie. Spirituell gesprochen, gibt es weniger Schwingungen und weniger Theater, es ist ruhiger, das Telefon klingelt nicht. Und psychisch gesprochen, fällt es mir leichter, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, wenn ich weiß, dass die Menschen um mich herum pennen. Es war immer ein sehr befreiender Augenblick, nächtens zu realisieren: Keiner um mich herum, ich kann loslegen.«

    Dass Helene Hegemann, deren vieldiskutierter Roman »Axolotl Roadkill« zu den Bestsellern dieses Jahres zählt, keine Theaterfrau ist, hat uns nicht davon abgehalten, sie als vierte Stimme der »Kunstsprache« zum Schwerpunkt Theater einzuladen. In ihrem ersten ausführlichen Interview erzählt sie, wie der Besuch einer Pollesch-Inszenierung vor sechs Jahren ihr Leben und vor allem ihren bewussten Gebrauch von Sprache veränderte. Umgekehrt entpuppt sich die 18-jährige Tochter des Dramaturgen Carl Hegemann als Referenz- und Angelpunkt der Aussagen Polleschs und Schlingensiefs – mehrfach wird sie als positives Beispiel eines Umgangs mit Quelltexten genannt, wie er am Theater Gang und Gäbe ist. Und nicht nur dort.

    4. Martin Hossbach, seit Mai 2007 Redakteur, Chef vom Dienst und schließlich Booker der Spex-Live-Konzerte in Berlin, Hamburg und Köln, verlässt Spex. Hinter den Kulissen hat Martin in den vergangenen dreieinhalb Jahren in unermüdlicher Arbeit Laufwege, Kommunikationsabläufe und Produktionsstrukturen etabliert. Vor den Kulissen war er verantwortlich für einige der großen Geschichten in Spex, so die Titelstorys zu den Pet Shop Boys und Robbie Williams, aber auch die Interviews mit Bernard Sumner oder Morrissey. In dieser Spex interviewte Martin Hossbach die Elektropop-Veteranen Andy McCluskey und Paul Humphreys von OMD für das »Vorspiel«. Reisende soll man nicht aufhalten, daher an dieser Stelle, im Namen der gesamten Redaktion: Martin, viel Erfolg in der Zukunft. Wibke Wetzker ist neue Chefin vom Dienst.

    Max Dax

 

Die neue Spex #328, ab dem 20. August am Kiosk erhältlich. Spex-AbonnentInnen sind klar im Vorteil: Neben einem niedrigeren Preis je Ausgabe und der komfortablen Zustellung nach Hause kann man zudem aus vielen hochwertigen Abo-Prämien wählen. Daher jetzt Spex abonnieren.

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