Vert »The Days Within« / Review

The Days Within ist gewissermaßen der Rücktritt vom Rücktritt und außerdem ein kleiner Schritt zurück zu Adam Butlers Wurzeln.

Verts letztes Album Some Beans & An Octopus klang in keiner Weise wie das Werk eines Künstlers, der seine Karriere 1999 mit einer Neuinterpretation von Keith Jarretts berühmter Live-Improvisation The Köln Concert begann. Stattdessen bildete es 2006 die überraschende Pointe und das vorläufige Ende dieser Karriere, da Vert alias Adam Butler anschließend wegen einer Kompositionsblockade sein musikalisches Schaffen für beendet erklärte. Auf Some Beans & An Octopus verabschiedete sich der in Portsmouth geborene Musiker größtenteils von der experimentellen elektronischen Musik seiner früheren Alben und schrieb plötzlich Songs statt Tracks, bei denen der Gesang im Mittelpunkt stand. Wobei Butler selten richtig sang, sondern meist in einen ulkigen Sprechgesang verfiel, den er mit noch ulkigerem LoFi-Ragtime-Geklimper begleitete.

Neun Jahre später folgt nun der Rücktritt vom Rücktritt und außerdem ein kleiner Schritt zurück zu Butlers Wurzeln. Denn zwar folgen alle elf Stücke auf The Days Within einer klaren Song-Logik, allerdings unterlegt Vert seinen Gesang mit perkussiven Texturen und Sounds, die beispielsweise an sein zweites Album Nine Types Of Ambiguity erinnern. Diese Rückbesinnung wirkt dabei weniger wie ein Rückschritt in der Entwicklung des Projekts, sondern vielmehr wie die überfällige Aussöhnung zwischen den beiden musikalischen Gesichtern von Vert. Und während der Vorgänger meist überladen klang und sich die einzelnen Elemente nur selten zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügten, gelingt die Symbiose auf The Days Within mit scheinbarer Leichtigkeit.

Adam Butlers stimmliche Fähigkeiten sind limitiert, aber er schafft es häufig, mit wenigen Worten eine Atmosphäre von Melancholie und Orientierungslosigkeit heraufzubeschwören. Dafür genügen ihm sogar textliche Allgemeinplätze, wie das traurig-schöne »And I Know« beweist: »And I know / At least I think / That you’ll miss me / When I go«. Dazu klirrt, klappert, knirscht und knarzt es an allen Ecken und Enden, wobei Butler diese Klänge meist zu einem dichten Teppich verwebt, manchmal, wie bei »Bury Yourself«, zu einem eher groben Lochmuster verknüpft. Sobald man sich diese Ausschmückungen wegdenkt oder Butler tatsächlich auf sie verzichtet, bekommt man es mit recht klassischen Pianoballaden wie »The Night Sky« zu tun oder wird mit Schifferklavier zum angesäuselten Spelunkenblues geladen, auf den Tom Waits seit Jahrzenten das Patent hält.

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