„Vereinte Säfte“ – PorYes-Award-Initiatorin Dr. Laura Méritt im Interview

Unter den Nominierten des diesjährigen PorYes-Awards: Bishop Black / Foto: J Jackie Bier

Mit dem PorYes-Award werden sex-positiver Feminismus und diskriminierungsfreie Pornos geehrt. Ein Kurzinterview mit der Initiatorin Dr. Laura Méritt über die Revolutionierung des Erotik-Filmmarkts.

Viva la Vulvalation! Eine Auster als Symbol des sex-positiven Feminismus – so sieht der Preis des PorYes-Awards aus, der in diesem Jahr zum neunten Mal verliehen wird. Initiatorinnen und Veranstalterinnen sind die Sexpertin und Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Laura Méritt sowie das erste frauenorientierte Sex-Unternehmen Sexclusivitäten. Sie setzen sich für Pornos mit genderfreundlichen Darstellungen und eine reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Lust und der Wertschätzung von Körpern ein – ein Kurzinterview mit Dr. Laura Méritt.

Die Pornoindustrie ist nach wie vor von Sexismus durchzogen, es steht immer noch der Mann im Fokus: Seine Bedürfnisse sollen adressiert, seine Lust soll befriedigt werden. Warum hält sich dieses Paradigma auch noch im 21. Jahrhundert so hartnäckig?
Die Pornoindustrie ist extrem konservativ und wird von der Pornografisierung des Alltags mit ihren stark stereotypen Bildern von Geschlecht und Sexualität begleitet. Gleichzeitig herrscht ein Mangel an sexueller Bildung. Die wenigsten wissen über ihre sexuelle Anatomie Bescheid, die weibliche ist oftmals negativ oder unvollständig beschrieben, Geschlechterdifferenzen werden betont und als sich ergänzend vermittelt. Lehrangebote zur sogenannten Aufklärung beziehen sich noch immer überwiegend auf die Vermittlung des Wissens zur Reproduktion. Lustvolle Sexualität wird nicht behandelt. Dieses Schweigen der gesellschaftlichen Mitte zu lustvoller und nicht gegenderter Sexualität trägt zur Deutungshoheit der Mainstream-Pornografie auf diesem Gebiet bei. Aufklärung ist daher schon immer eine Aufgabe von Feminist Porn und wird dieses Jahr explizit auf einem Panel in der Urania diskutiert.

Dr. Laura Méritt

Seit 2009 gibt es mit dem PorYes-Award einen Gegenpol zum Mainstream-Porno und seinen damit einhergehenden Diskriminierungs- und Gewaltmechanismen. Was genau hat der PorYes-Award seit seiner Initiation dagegen halten können?
Mit dem PorYes-Award schaffen wir eine Öffentlichkeit für sex-positive Darstellungen und schreiben eine andere, feministische Sex-Geschichte, die unterschiedliche Generationen und Kulturen berücksichtigt.

Neue Sichtbarkeiten entstehen, ganz außerhalb heterosexueller Norm. Feministischer Porno bricht einseitige Zuschreibungen auf, zeigt Geschlechter aus anderen Perspektiven und deren Sexualität als nachvollziehbar. Die Lust aller Beteiligten soll zu sehen sein, vielfältig inszeniert und mit einvernehmlichen Sexpraktiken. Dazu gehört Kommunikation, die für Betrachtende anregend wirken kann. Ein wichtiges Anliegen ist, zu hinterfragen, auf was wir abfahren und warum und ob das alternativlos ist. Es geht darum, die Konditionierung von Lust aufzubrechen und offen zu sein, anderes zuzulassen. Kurz: Es geht um Vielfalt, Konsens und Fairness.

„Die Pornoindustrie ist extrem konservativ und wird von der Pornografisierung des Alltags mit stereotypen Bildern von Geschlecht und Sex begleitet.“

Sex-positive feminism spielt in diesem Rahmen ja eine große Rolle. Wie genau definiert PorYes den sex-positiven Feminismus? Ist PorYes als Abgrenzung zur PorNo-Bewegung zu verstehen?
PorYes ist Ausdruck des sex-positiven Flügels, der sich während der Zensurdebatte in den Siebzigern herausbildete. Feministinnen verschiedenster Fraktionen diskutierten, wie mit Sexismus, Rassismus und dem Thema Gewalt im Patriarchat umzugehen ist. Sex-positive Feministinnen betonten Alternativen wie feministische Pornos und sex-positive Angebote sowie eine sexuelle Bildung und Kultur. Darin treffen sich Zensur-GegnerInnen, Sex-ArbeiterInnen, BDSMerInnen, Sex-Radikale, Sex-Aktivistinnen und die LGFBTIQ-Subkulturen.

Die Hervorhebung von sex-positiv ist nicht als Abgrenzung zu sex-negativ, sondern als Schwerpunktsetzung zu verstehen. Innerhalb der Frauenbewegung existieren weitaus mehr Flügel. Alle waren und sind sich darin einig, dass eine andere als die herrschende, normierte Art der Sexualität in Worten und Praktiken wünschenswert ist. Dank großartiger Basisarbeit und dank vereinten Säften ist die Vulvalation derzeit sehr stark.

PorYes-Award 2017
21.10. Berlin – HAU Hebbel am Ufer
Weitere Infos finden Sie hier.

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