Various »Der Spielmacher« / Review

17 Stücke, die sich zwischen treibenden Gitarrenarrangements und reduzierter Akustik bewegen, zeichnen ein überwiegend desillusioniertes Bild der Fußballkultur.

Musik über Fußball demonstriert im Regelfall Verbrüderung und beschwört ewige Treue. Der Spielmacher, ein Hybrid aus Theater und Musical, der Ende Juni in Berlin aufgeführt wird, widmet sich hingegen eher den intimen und leisen Gedanken der Sportler, die kein Echo in den Fanchören finden. Der halbe Kader des Berliner Labels Staatsakt sorgt bei dem Projekt von Patrick Wengenroth und Maurice Summen für den Soundtrack und blickt so humorvoll wie kritisch auf alles, was den Fankurven in 90 Minuten auf dem Spielfeld verborgen bleibt: Dauerverletzungen, Krisen auf der Ersatzbank, Konkurrenzdenken unter den sogenannten elf Freunden und eine geheime Affäre von zwei Spielern.

»You’ll Never Walk Alone« entpuppt sich als Farce.

Soweit die angerissenen Themen, auch wenn sich das Narrativ einiger Songs wohl erst im Kontext der Aufführung erschließen wird. Jens Friebe stimmt den »Chor der Spielerfrauen« an, Chris Imler besingt zu rumpelndem Electro-Punk den stählernen Fanalltag, Andreas Spechtl erinnert sich herkunftsgerecht an verpasste Torchancen, während sich »Korruption ist mein Verein« von den Türen fast schon wie ein spöttischer Kommentar auf den bis dato nicht restlos aufgeklärten Vergabe-Skandal um die WM 2006 lesen lässt: »Die Leute, die nicht drin sind, in unserem Verein / Die werfen gern den ersten Stein, jetzt seht das doch endlich mal ein / Schon Jesus hatte gute Beziehungen nach Rom / Und auch Caesar war ziemlich gut aufgestellt«.

Sogar der Ball – gesprochen von Verena Unbehaun – begreift sich selbst immer mehr als Ware und träumt von einer Existenz als Lederunikat, das im Endspiel eingesetzt wird und von dem es sowohl Fälschungen aus Asien als auch Autogrammkarten gibt. So zeichnen die siebzehn Stücke, die sich musikalisch zwischen treibenden Gitarrenarrangements und reduzierter Akustik bewegen, auf unterhaltsame Weise ein überwiegend desillusioniertes Bild der Fußballkultur. Romantisch verklärt wird in Der Spielmacher wenig. »You’ll Never Walk Alone« entpuppt sich als Farce. Am Ende spielt nämlich doch jeder für sich allein.

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