Various Artists An England Story

Von Saxon und Jah Shaka bis Daddy Freddy und General Levy, von Macka B und Mad Professor bis Rodigan und Robbo Ranx – Reggae-Geschichte lässt sich nicht schreiben ohne das Vereinigte Königreich. Und obwohl sich die Dancehall in den letzten Jahren so rigoros einem internationalen Publikum geöffnet hat, dass mittlerweile Stuttgarter Soundbuben den Worldclash gewinnen und gebürtige Italiener für einige der größten Roots’n’Culture-Hymnen der Gegenwart verantwortlich zeichnen können, ist UK bis heute die einzige echte Großmacht neben JA geblieben. Die zweite Insel eben, der andere Fixstern einer stramm durchglobalisierten Volksmusik. Diesem Umstand Rechnung zu tragen, nebenbei der hierzulande ja quasi nicht existenten Figur des MCs zu huldigen, und mehr noch: eine Linie zu ziehen von den ersten Shaka-Dances zu all den lustigen Ausprägungen der urbritischen Hardcorekultur, ist Sinn, Zweck und Klammer dieser jüngsten Qualitätskopplung von Soul Jazz Records.

    Bezüglich des letzten Gesichtspunkts ist die »England Story« vielleicht ein bisschen zu reggaelastig erzählt: Von Papa Levi bis Tippa Irie ist die gesamte Herrenriege schlachterprobter Soundhaudegen vertreten, während zum Beispiel Drum’n’Bass nur am Rande und in Gestalt der grundlos gehypeten Clownstep-Combo Jakes & TC vorkommt – seinen Dubstep verbrät das Londoner Traditionshaus aber eben lieber auf den »Box Of Dub«-Samplern. Eine ansehnliche Reihe wegweisender Boom-Tunes samt wasserdichter, basshistorischer Einordnung bekommt man aber natürlich auch hier für einen vergleichsweise schmalen Sterling. Beide CDs dieses Boxsets beginnen mit einer echten UK-Hymne: Die erste mit YT’s titelgebender Ode an die Granden der reichen britischen Dancehalltradition, konzipiert als clevere Counteraction auf Baby Chams erdbebengleichem Reality Check »Ghetto Story« von 2006; die zweite mit »Things Change« von Heatwave und der notorisch vielseitigen Warrior Queen, die von The Bugs Hi-Tech-Riddims bis hin zum hier aufgefahrenen Neo-Retro-Bogle noch alles beritten hat, was halbwegs verlässlich auf die Zwo und die Vier knallt. »This Is The London Scene!«-Rap wird repräsentiert von der originalen London Posse, Tony Rotten und dem ungleichen Duo Ty & Roots Manuva, das 2004 mit dem Refix von Tys »Oh U Want More?« für einen kurzen magischen Moment zusammenfand. Navigator und die Freestylers halten es für die Dosenbierfraktion unten, Riko von Roll Deep schlittert noch einmal die »Ice Rink« runter, und gegen Ende wird’s dann sogar noch international: Joni Rewind alias DJ Dynamite aus Hamburg fixiert noch einmal den jamaikanischen Evergreen »Uptown Top Rankin’« mit der jüngst nach Amerika emigrierten Londonerin Estelle. Eine echte England-Geschichte eben.

LABEL: Soul Jazz / NTT

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 11.03.2008

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