Unterstützenswert: Kampagne für mehr Vielfalt im Radio

Was im Radio läuft, kommt in die Charts; was in den Charts ist, kommt im Radio. Das Formatradio denkt zirkulär und verschließt sich damit fast vollständig neuen, unabhängigen und interessanten Künstlerinnen und Künstlern. Höchste Zeit, dass sich was ändert, findet auch SPEX.

Bis zu sieben Mal am Tag wird im Radio derselbe Song gespielt. Auf ein und demselben Sender. Aus der Auswahl Das Beste der 80er, 90er, 2000er und von heute ist es ziemlich sicher einer aus der letzten Kategorie. Es ist irgendein austauschbarer Charthit, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommt er von einem der drei großen Labels, die den Musikmarkt beherrschen. Der Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (VUT) hat deswegen im Mai eine Kampagne für mehr Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestartet.

Unter dem Hashtag #mehrvielfaltimradio versammeln sich seitdem Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne, darunter die wenigen unabhängigen (Web-)Radiostationen wie ByteFM und detektor.fm, kleinere, im VUT organisierte Musikverlage wie Tapete Records und Bands wie Die Sterne und Hundreds. Unterfüttert wird die Kampagne von Zahlen. Ziemlich überzeugenden Zahlen: 74 Prozent aller Deutschen hörten 2015 Radio, 25 Prozent der Bevölkerung schaltet morgens, also zur besten Frühstücksradio-Zeit, ein. Das Radio ist vor MP3, CD und Streaming nach wie vor das beliebteste Musikmedium in Deutschland. 93 Prozent der im Radio gespielten Songs wurden 2015 von den Majorlabels Sony, Universal und Warner verlegt.

Damit verfehlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der ja den allergrößten Teil des Radiomarktes beherrscht, nach Ansicht des VUT seine Aufgabe. Diese sei nämlich unter anderem im Rahmen des Kultur- und Bildungsauftrags eine Abbildung kultureller Vielfalt. Und kulturelle Vielfalt ist jedenfalls mehr als das weichgespülte Beste aus den 80ern, 90ern, 2000ern und von heute, meint auch SPEX.

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