Unknown Mortal Orchestra II / Foxygen We Are The 21st Century …

Unknown Mortal Orchestra »II«

»Hello Goodbye« ruft es gleich in der allerersten Sekunde, gegen Ende geht’s in die »Strawberry Fields«, dazwischen wird »Under My Thumb« von den Rolling Stones mit Elvis’ »Suspicious Minds« kombiniert, »Oh Yeah« ist ein Pastiche von T. Rex’ »Mambo Sun« und in »No Destruction« liefern Foxygen den Nachweis, dass sie Dylans 65er-Tonfall genauso drauf haben wie seinen wild mercury sound. »San Francisco« spielt mit dem gleichnamigen Welthit von Scott McKenzie und Foxygens Heimatstadt, »Shuggie« verweist, nun ja, auf Shuggie Otis, den nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipp, ohne den es keinen Prince und keinen Frank Ocean gegeben hätte. Ja, Foxygen sind die 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic – & Music, darf man ergänzen. Sie rearrangieren und rekombinieren 50 Jahre Pop, vor lauter Einflussekstase kann Einflussangst gar nicht erst aufkommen, um mit Jonathan Lethem zu sprechen.

     Das Rätsel an dieser supercleveren Platte: Man wird der ausgestellten Belesenheit und Auskennerei dieser Musik nicht müde – kein Allesschonmalgehört-Überdruss, keine Süßstoffallergie. Stattdessen meldet sich das schlechte Gewissen: Darf ich das genießen? Und wenn ja, warum? Vielleicht ist es Foxygens derbe Chuzpe, der angenehm stumpfe (Andreas Dorau) Akt, sich zu nehmen, was einem gefällt und gar nicht erst zu versuchen, die Quellen zu verschleiern. Und natürlich hingeworfene Zeilen wie diese: »There’s no need to be an asshole, you’re not in Brooklyn anymore.« In San Francisco scheint die Sonne.

   Weniger auftrumpfend, aber ebenfalls bestens informiert in Popgeschichte kommt das Unknown Mortal Orchestra daher, das Projekt des von Neuseeland nach Portland, Oregon, ausgewanderten Ruban Nielson. Wo Foxygen wie eine fleischgewordene Jukebox mit der Tür ins Haus fallen, da schleicht das Unknown Mortal Orchestra durch die Hintertür, eine gewisse, beinahe hätte ich gesagt: slackerhafte Schlappheit macht sich breit, man möchte gar nicht mehr aufstehen. Und fragt sich schon wieder: Geht das? Darf das sein? Sich einlullen lassen von dieser sagenhaft leiernden Gitarre, der müden Stimme, die bestimmt nichts Wichtiges mitzuteilen hat? Und dann bleibst du sitzen und guckst zu, wie sich die kleinen Melodien langsam einnisten in deinem Hirn. Wie einst bei The Chills. Die kamen genauso unscheinbar aus Neuseeland, und Jahrzehnte später kehren ihre Songs in Hamburger Techno wieder, »This Is The Way« und der ewige »Pink Frost«, bei Mense Reents und Pantha Du Prince. Gegen den triumphalistischen Weltumarmungspop von Foxygen ist das Unknown Mortal Orchestra Sunshine-Pop für »Rainy Days And Mondays«.

   (Unknown Mortal Orchestra spielen morgen, am 8. Februar, ein Konzert im Prince Charles, Berlin. Karten sind noch erhältlich.)

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