Underworld & Iggy Pop „Teatime Dub Encounters“ / Review

Die gewohnt soghaften Tracks von Underworld fügen sich bestens zu der gealterten und charmant glaubwürdigen Stimme Iggys, der kohärente Erinnerungen auf Dada-Spontanität prallen lässt.

Es ruft zur Bewegung auf, was da aus den Boxen quillt, rumst, treibt. Dann eine bekannte Stimme: Iggy Pop erzählt von Zeiten, in denen er in Flugzeugen Kokain und Zigaretten konsumiert hat, er kann es selbst kaum fassen, seine Stimme überschlägt sich, führt zu Gelächter und existentialistischen Kurzschlüssen. Dann ein Frauenchor, Iggy gesellt sich dazu: „Sunlight on my wings.“ Bringt Spaß! „Here comes the jungle.“ Na logisch. „If I had wings … hehe“ – bei Von Südenfed (Mark E. Smith und Jan St. Werner) klang das noch weniger witzig.

Im Rückblick paaren sich Trauer, Wahnsinn und Exzess.

Iggy und das britische Duo sind sich sozusagen schon einmal begegnet. 1996 trug ihre Musik mit dazu bei, dass Danny Boyles Film Trainspotting die Bezüge von Punk und Techno so greifbar machte. 20 Jahre brachte man die drei dann anlässlich der Fortsetzung T2 Trainspotting wieder zusammen, um ein Feature beizusteuern. In den Film schaffte es das zwar nicht, führte aber letztlich zu dieser EP. Ein Glücksfall: Denn nach dem halbstündigen Vergnügen ist man, nachdem es zwischen all der uplifting Euphorie zwischendurch auch sehr schwelgerisch wird („I’ll See Big“), fast enttäuscht, dass es nur zu vier Stücken gekommen ist. Doch der Legende nach hatte Iggy nicht viel Zeit und schaffte es gerade so, auf der Tour zu Post Pop Depression mal kurz in einem zu Studio umfunktionierten Hotelzimmer vorbeizuschauen.

Die Resultate lassen diesen kurzen Produktionszeitraum jedoch kaum vermuten: Die gewohnt soghaften Tracks fügen sich bestens zu der gealterten und charmant glaubwürdigen Stimme Iggys, der kohärente Erinnerungen auf Dada-Spontanität prallen lässt. Mal geschieht dies im nüchternen Erzählstil, mal ufert es in opulenten Gesang aus. Es scheint zum aktuellen Lebensabschnitt des 71-Jährigen zu passen: Im Rückblick paaren sich Trauer, Wahnsinn und Exzess, sie erzeugen Stoff für eine Gegenwart, in der der Künstler längst Kanon ist und sich offenbar ganz wohl damit fühlt. Vielleicht sollten sich häufiger alternde Dichter mit Technosauriern in Hotelzimmern einschließen.

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