Underworld »Barbara Barbara, We Face A Shining Future« / Review

Man kann Underworld nicht vorwerfen, sich bloß noch selbst zu zitieren. Trotzdem vermisst man die Kante.

Techno hat gute 30 Jahre auf dem Buckel. Nach Anfängen in Detroit und Chicago kam die Musik Mitte der Achtzigerjahre nach Europa und erfreute sich vor allem in England großer Beliebtheit. Das Label Warp lenkte Rave in innovative neue Bahnen, fast zeitgleich erfanden KLF den Stadion-Techno. Wie man es auch machte, es ging auf in die Zukunft. Zu der Zeit war Karl Hyde bereits Anfang 30 und konnte auf eine semi-erfolgreiche Karriere mit der Synthieband Freur zurückblicken. Hyde und sein musikalischer Partner Rick Smith ließen sich von der neuen Musik – sowohl von KLF als auch von Warp – infizieren, benannten sich um in Underworld und wurden, nicht zuletzt dank einer prominent platzierten Kickdrum-Keule im Film Trainspotting, zu einem der erfolgreichsten Techno-Acts der Neunziger.

Soundtechnische Innovation verbindet man mit Underworld nur bedingt. Karl Hyde hat zwar kürzlich zwei Platten auf Warp veröffentlicht, die er gemeinsam mit Brian Eno einspielte, doch wenn er sich mit Rick Smith ins Studio begibt, ist die Aufgabenstellung (und das Erfolgsrezept) eher: Techno für Leute machen, die sonst nicht unbedingt Techno hören. Der Einsatz von Gitarren und Hydes mitunter lautes Organ sorgen dafür, dass Underworld auch in genrefernen Kreisen und auf großen Bühnen gefeiert werden. Barbara Barbara, We Face A Shining Future heißt das neunte Album der beiden, das aus lediglich sieben Stücken besteht.

Hydes Stimme wird mit zahlreichen Effekten bearbeitet, wobei die Resultate variieren.

Es geht los mit einer rockistischen Rave-Hymne. Zum geshuffelten Beat und einer aufgetürmten Synthie-Wall-Of-Sound sinniert Hyde in nöligem, an Mark E. Smith erinnerndem Ton übers Ausatmen, er reiht Satzfetzen aneinander und macht wortwörtlich »Blablabla«, wie es in der Hookline lustigerweise heißt. Das Stück ist tatsächlich super und dürfte einem in den Clubs demnächst öfter begegnen (es wird davon auch eine Bearbeitung von DJ Koze geben). Auch das hymnisch anschwellende »If Rah« sollte sich in der kommenden Saison als guter Festival-crowd-pleaser bewähren. Nach dem etwas käsig daherkommenden, aber immer noch auf den Dancefloor schielenden »Low Burn« wird es in der zweiten Hälfte des Albums ziemlich ruhig. Hydes Stimme wird mit zahlreichen Effekten bearbeitet, wobei die Resultate variieren. »Motorhome« ist eine großflächige, ziemlich schwülstige Ballade, der Rausschmeißer »Nylon Strung« dagegen ein schöner Elektropopsong im Stile von Hot Chip zu »I Feel Better«-Zeiten.

Insgesamt bleibt das alles recht zahm. Man kann Underworld, wie so vielen anderen in den Neunzigern groß gewordenen und immer noch aktiven Bands, nicht vorwerfen, sich bloß noch selbst zu zitieren. Und doch vermisst man die Kante, die Platten wie Dubnobasswithmyheadman oder Second Toughest In The Infants bei aller Stadion-Techno-haftigkeit ausgezeichnet hat. Immerhin gibt es wieder einen ziemlich superguten Superhit, in der Hinsicht bleibt alles beim Alten.

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