UMA UMA

Es gibt berechtigte Gründe, weshalb man Firmenwerbeveranstaltungen wie die seit 15 Jahren stattfindende Red Bull Music Academy anzweifeln kann. Manchmal kommen im Zeichen der rot-blau-silbernen Dose aber durchaus interessante Kooperationen zustande, wie zum Beispiel 2011 in Madrid. Uma traten dort als Support des legendären New Yorker Space-Rock-Musikers Simeon Coxe alias Silver Apples auf, der sofort seine Beteiligung an Umas Debüt-EP Drop Your Soul zusagte.

Uma ist Ella Zwietnigs Band beziehungsweise Duo; ihr Partner ist Florian Zwietnig, ehemals Gitarrist der Mediengruppe Telekommander und außerdem ihr Ehemann. Vor Uma spielte Ella Xylophon und Flöte in der Band Go Die Big City! und trat solo als Jools Hunter auf. Sehr wahrscheinlich also wäre aus Uma auch ohne Simeon Coxes psychedelische Unterstützung etwas geworden, aber dank Silver Apples war der Aufmerksamkeitsradius von Anfang an ein wenig größer als bei anderen Newcomern. So guckte sich etwa Neneh Cherry Uma als Vorband aus, als sie im März ihr neues Album im Berliner Berghain vorstellte.

Umas Musik ist eine nahezu gespenstisch perfekte Symbiose aus Elektronik und melodischem Singer/Songwriter-Gestus. Alle, denen Lali Puna zu fragil und verfrickelt waren und Beach House doch zu verträumt und hippiesk sind, werden mit Uma aus Berlin sehr glücklich werden. Eine Eheschließung führt ja oftmals zu unglücklichen Kompromisslösungen, bei den Zwietnigs kommen die guten Seiten beider Beteiligten erst richtig zur Geltung. Tracks wie »B-1«, »Calm/Easy« oder »Ephemeral« schweben spielerisch dahin, Ella singt/haucht repetitiv Romantisches wie: »Then you tune into me and then I tune into you.«

Bevor man sich allzu behaglich einrichtet, streuen Uma Störgeräusche ins kuschelige Ambiente, switchen zu geloopten Beats oder TripHop-Atmosphäre. Auf Atmo allein verlassen sich Ella und Florian Zwietnig allerdings nicht: Die Aufbruchsstimmung des Openers »Depart«, die Traurigkeit von »Voices« und die sakrale Entrücktheit in »Beauty Contest« entstehen aus der Gesamtheit der Zutaten: suggestive Soundexperimente mit Spielzeug und Casio, der Einsatz von Ellas Stimme als zusätzliches Instrument und ungewöhnliche, dabei höchst eingängige Popmelodien, die nur ein ganz klein wenig Sixties-Verklärung betreiben, machen Uma zu einem leuchtenden Avantgarde-Mainstream-Hybrid.

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