Die Zukunft klingt seltsam

tyler-the-creator    Der Hype ist gewaltig, das einzige Deutschland-Konzert seit Wochen ausverkauft: TYLER, THE CREATOR, ein 19-jähriger Rapper aus Los Angeles und sein anarchisches Kollektiv Odd Future Wolf Gang Kill Them All (kurz: OFWGKTA oder einfach Odd Future) werden als die aufregendste Rap-Ware seit dem Wu-Tang Clan gehandelt. Auch Spex-Autor Stephan Szillus stimmt in den Chor der Begeisterten ein und nennt Odd Future in der aktuellen Ausgabe  »nicht nur die jüngste Hoffnung auf die Rettung des Hiphop, sondern auch das spannendste subkulturelle Mosaik der Jetztzeit.«

    Ein Grund für die ganze Aufregung ist die rotzige Do-It-Yourself-Einstellung, die Tyler und Kollegen in ihren Youtube-Videos und bei den wilden Bühnen-Shows mit Stagediving- und Pogo-Einlagen an den Tag legen. Ein anderer sind die Texte, die jenseits aller Bling-Bling-Klischees, dafür aber gespickt mit bösartigem, überdrehtem Humor, alltägliche Dingen abhandeln: Skateboardfahren, Langeweile, Rachefantasien oder auch – wie in Tylers Fall – den abwesenden Vater. »Ihr Kosmos aus postpubertäre Anti-Alles-Attitüde, cooler Skater-Ästhetik und musikalischen Indie-Anleihen«, besitzt laut Szillus eine »über Subkulturgrenzen hinweggehende Kraft«. Auch wenn Odd Future aufgrund ihres Auftretens als vielköpfiges Kollektiv mit zahlreichen Untergruppierungen oft mit dem Wu-Tang Clan verglichen werden, erinnert diese Beschreibung vielmehr an die Beastie Boys in ihren frühen Jahren, als diese sich in ihren Videos noch nicht von Schauspielern doublen ließen.

    Der gesamte Wahnsinn des OFWGKTA-Universums lässt sich am besten auf ihrer Webseite erkunden, wo alle bisher in Eigenregie veröffentlichten MP3-Alben des Kollektivs umsonst zum Download bereitstehen. Eine empfehlenswerte Einführung stellt auch das Gespräch mit Tyler dar, das der wohl beste Musik-Interviewer des Planeten, Nardwuar (Pharrell Williams und Snoop Dogg sind große Fans, Sonic Youth nicht), geführt hat. Tylers erstes käuflich erwerbbares Album Goblin erscheint am 6. Mai bei XL Recordings.


VIDEO: NARDWUAR – Odd Future Interview

tyler-the-creator-goblin-coverTYLER, THE CREATORGoblin

01. Goblin, 02. Yonkers, 03. Radicals, 04. She (Featuring Frank Ocean), 05. Transylvania, 06. Nightmare, 07. Tron Cat, 08. Her, 09. Sandwitches (Featuring Hodgy Beats), 10. Fish, 11. Analog (Featuring Hodgy Beats), 12. Bitch Suck Dick (Featuring Jasper Dolphin & Taco), 13. Window (Featuring Domo Genesis, Frank Ocean, Hodgy Beats), 14. AU79, 15. Golden

 

 

LABEL: XL Recordings | VERTRIEB: Beggars / Indigo | : 06.05.2011

2 KOMMENTARE

  1. tyler, the creator – ein sehr netter junger mann. besonders schön ist sein tratidioneller duktus, der doch so wunderbar anschlussfähig zum „rest“ der „hip-hop/rap -szene“ ist. man kann nur hoffen, dass seine text, die mit homophoben stereotypen und vergewaltigungsfantasien gespickt sind, nicht nur das „spannenste subkulturelle mosaik der jetztzeit“ bleiben, sondern wirklich weit über die „hip-hop-szene“ rezipiert werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.