»Trumbo« – Filmfeature zum Kinostart

null

Er schrieb das Skript für Kubricks Spartacus, gewann mit weiteren Drehbüchern zwei Oscars, aber keiner durfte es wissen. Dalton Trumbo war im Hollywood der Fünfzigerjahre als Kommunist geächtet. Jetzt sorgt Bryan Cranston in einem Biopic für Trumbos Rehabilitierung. Ab morgen im Kino.

In der langen Karriere des Drehbuchautors Dalton Trumbo (1905–1976) gibt es zwei Momente, die man für schlecht erfunden halten könnte. Zweimal wurden Drehbücher von ihm mit einem Oscar ausgezeichnet, während er selbst vom heimischen Sofa aus zuschauen musste, wie ein anderer die Trophäe entgegennahm. Man stellt sich seine Gefühle dabei als eine Mischung aus Bitterkeit und Genugtuung vor. Trumbo hatte die Drehbücher unter Pseudonym geschrieben, weil er als einer der »Hollywood Ten« kommunistischer Umtriebe verdächtig und quasi mit Arbeitsverbot belegt war. Im Biopic Trumbo sieht man kurz das Archivmaterial des jeweiligen Oscar-Abends, während Bryan Cranston als Titelfigur ein Gesicht dazu macht, wie es nur Bryan Cranston kann: stolz, verächtlich und zugleich voll brennendem Ehrgeiz.

Trumbo wird weder der Figur noch den historischen Umständen (Kalter Krieg, McCarthy-Ära, Blacklist) ganz gerecht. Aber sollen sich doch andere darüber aufregen, dass Kommunismus hier als Wille simplifiziert wird, sein Frühstücksbrot mit Ärmeren zu teilen, und dass das Filmgeschäft mal wieder als Angelegenheit von kauzigen Originalen mit viel Testosteron erscheint. Tatsächlich funktioniert der Film besser, als man erwarten könnte, was angesichts des Themas fast ein Tabubruch ist: Trumbo zeichnet gewissermaßen ein vergnügliches Bild von finsteren Zeiten.

Glamouröse Hollywood-Partys und nachgestellte Drehsets berühmter Filme geben die Kulisse für Hollywoods unrühmlichstes Kapitel. Menschen werden für ihre Überzeugungen inhaftiert, es gibt Verrat unter besten Freunden, nicht alle überleben, bis eine bessere Zukunft anbricht. Aber bei alledem geben selbst die am plattesten gezeichneten Bösewichter (etwa Helen Mirren als antisemitische Klatschkolumnistin) geistreiche Antworten. John Goodman als Trash-Film-Produzent, der sich kaltschnäuzig über die Gebote der Blacklist hinwegsetzt, ist ganz in seinem Element. Und wenn sich am Ende Otto Preminger mit Kirk Douglas ein Rennen darum liefert, wer Trumbo als erster wieder unter seinem richtigen Namen in einem Filmvorspann aufführt, fühlt man sich fast zu Szenenapplaus hingerissen.

Trumbo
USA 2016
Regie: Jay Roach
Mit Bryan Cranston, Louis C. K., Helen Mirren, John Goodman u. a.

Dieser Beitrag ist wie viele weitere Musik- und Filmfeatures in der Printausgabe SPEX N° 367 erschienen. Hier geht’s zum Heft, das versandkostenfrei online bestellt werden kann.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.