Diverse Trojan Country Reggae Box Set

Ach die Formen, immer am migrieren! Chris Bolton vom Country Music People-Magazin durfte auf Geheiß des Trojan-Labels diese Box mit 50 Tracks zusammen stellen, und seine Liner Notes erhellen die ganze jüngere Geschichte der bei den Leuten beliebten Musik. Ich sage hier extra nicht »Pop«. Denn dass mit Reggae-Versionen von Country-Songs die ole time Einzug halten würde, darauf konnte ich ja gefasst sein. Das hier von Ken Parker interpretierte »Will The Circle Be Unbroken« aber mit seiner becircenden Melancholie datiert schon aus dem 19. Jahrhundert, wenn es sich auch A.P. Carter von der Carter Family in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts dann auf seine Fahnen schreiben ließ. Bolton weist in seinen extensiven, mit Details gespickten, produktionsgeschichtlich fokussierten Liner Notes darauf hin, dass die hier versammelten Stimmen Jamaikas den Weg zu ihren Country-Songs in den meisten Fällen über Umwege fanden. Und auch hier kommt eine Form ins Spiel, die um den Planeten wandert und altes wie neues Songmaterial ausspuckt, formt, wieder auffrisst: R&B.

    Ein Beispiel für den Höhlengang mit den Ein- und Ausgängen Country, Rhythm&Blues / Soul und Reggae stellt der »Tennessee Waltz« dar. Patti Page hatte diesen Song 1950 zu einem der größten Hits der Jahrzehntwende gemacht. Schon ein paar Jahre zuvor hatten die Songschreiber Frankie »Pee Wee« King und Redd Stewart schon einen gar nicht so winzigen Verkauserfolg damit gehabt. Es war dann Sam Cooke und seiner Version vorbehalten, den Song 1963 abermals populär zu machen. Es klingt fantastisch, wie Ewan And Jerry With The Carib Beats in ihrer Bearbeitung tatsächlich ein walzerartiges Kreiseln erzeugen, und das wohlgemerkt durch das Schlagen im Offbeat.

    Schwierig also, in dieser Zusammenstellung einige besondere Songs zu markieren. Mal splashen die selten veröffentlichten Versionen großer Reggae-Hits wie etwa der Jamaican Mix von Nicky Thomas »Love Of The Common People«, dem im Gegensatz zum weltbekannten Original die Streicher-Girlanden fehlen. Mal ist es ein weniger bekanntes Freakout-Instrumental wie »Mule Train«, im Original von Tennessie Ernie Ford, hier raus ge-i-aa-t von Count Prince Miller, das nach nur einem Hören in die Lieblingslisten importiert wird. So hat sogar die antikommunistische Propaganda der Vereinigten Staaten ihre produktive Seite. Denn die Programme der bis zu 60.000 Watt starken US-Sender, die Ende der Sechziger Jahre in die ideologisch umkämpfte Region der Karibik hinaus strahlten, gehörten zum Choose-Freedom-Programm.

LABEL: Trojan

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 07.09.2007

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