Tribut an die Ruinen

ies – die Ausstellung der KunstWerke Berlin – sowie den Strukturwandel in den Großstädten Deutschlands schrieb. Die Veränderung des Lebens- und Kulturraums, das "Gesundschrumpfen" der Konsumwelt im Kontext der Schließungspläne zahlreicher Karstadt-Filialen, die angeblich ausschlaggebend für das Erscheinungsbild einer Stadt und wichtig für die Lebensqualität der Bewohner seien.

»Im wirklichen Leben gibt es zum Glück noch andere Alternativen – wenn die Schrumpfung nicht bloß als Bedrohung, sondern als Möglichkeit verstanden wird. Wo Leerstand entsteht, gibt es Platz für Neues, auch für andere Formen der Tauschbeziehungen und des sozialen Austausches untereinander. Modelle der Zwischennutzungen, des Temporären, Experimentellen. Davon sprechen in der Öffentlichkeit nur wenige, lieber werden erst die "Grundlagen der Gesellschaft" in Gefahr gesehen.« (Dietmar Kammerer)

Beim Stichwort "alternative Nutzungsformen" denkt man gemeinhin an den kleinsten gemeinsamen Nenner: Das besetzte Haus. Nun haben es Initiativen, die sich um freien Wohnraum in urbanem Umfeld bemühen, nicht wirklich leicht. Zu schnell nehmen dabei immer wieder Privat- bzw. Kapitalinteressen Einfluss, wie uns zuletzt in der Kölner Südstadt mit der polizeilichen Räumung des für kurze Zeit besetzten Gebäudes Pingutopia vor Augen geführt wurde. Letztlich wurde das ehemalige Fabrikgelände noch am selben Tag dem Erdboden gleich gemacht, um es als Immobiliengrundstück in Geld umzuwandeln.

Ähnliche Schemata gibt es auch in den USA – wir erinnern uns alle noch an die von Michael Moore geschickt arrangierten Bildern einstürzender Fabrikgebäude in Flint/Michigan ("Pets or Meat: The Return to Flint"). Dem Klischee nach würde man in Amerika ein noch rigoroseres Vorgehen als hierzulande vermuten, vergleicht man den dortigen Umgang mit dem urbanen Umfeld in Deutschland, so sind die Unterschiede jedoch keine Großen.

"Burn to Shine" heißt nun ein Ansatz, der verrottende, alte Stadtstrukturen in einen popkulturellen Kontext stellt. Die Idee dazu stammt aus dem Kopf von Brendan Canty (Fugazi), zusammen mit Regisseur Christoph Green plant bzw. realisiert Canty eine Film-Serie von Konzerten, die in vor dem Abriss stehenden Häusern statt finden. Vor und während den Shows werden die jeweiligen Geböude dokumentiert, sozusagen für die Nachwelt erhalten. Im Anschluss an das Konzert wird auch die Zerstörung des Gebäudes gefilmt, das Egebnis auf 45 Minuten zusammengeschnitten und als DVD gebrannt und vertrieben.

"Burn to Shine 01: Washington DC" wurde gerade erst fertig gestellt, unter den vertretenen Bands finden sich so nette Namen wie Bob Mould, Ted Leo & The Pharmacists, Weird War (ex-Make Up), Q and Not U sowie French Toast (mit James Canty von The Make Up und Jerry Busher von Fugazi). Der zweite Teil wird gerade in Chicago produziert, aus der örtlichen Musikszene haben sich bisher unter anderem Wilco, Shellac, The Ponys und – festhalten – Tortoise zu einer Mitarbeit bereit erklärt. Veröffentlicht wird "Burn To Shine" auf Trixie DVD, den Vertrieb übernehmen Touch and Go Records (in Europa Alive). Der zweite sowie zukünftige Teile werden ab Juli erhältlich sein. Auf das den "Shrinking Cities" der ihnen gebührende Respekt gezollt wird. Und man sieht, dass es durchaus Alternativen gibt.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Dietmar Kammerer in der SPEX ("Shrinking Cities – Shoppen in Schrumpfhausen" – 11/04) über Shrinking Cities – die Ausstellung der KunstWerke Berlin – sowie den Strukturwandel in den Großstädten Deutschlands schrieb. Die Veränderung des Lebens- und Kulturraums, das "Gesundschrumpfen" der Konsumwelt im Kontext der Schließungspläne zahlreicher Karstadt-Filialen, die angeblich ausschlaggebend für das Erscheinungsbild einer Stadt und wichtig für die Lebensqualität der Bewohner seien.nn»Im wirklichen Leben gibt es zum Glück noch andere Alternativen – wenn die Schrumpfung nicht bloß als Bedrohung, sondern als Möglichkeit verstanden wird. Wo Leerstand entsteht, gibt es Platz für Neues, auch für andere Formen der Tauschbeziehungen und des sozialen Austausches untereinander. Modelle der Zwischennutzungen, des Temporären, Experimentellen. Davon sprechen in der Öffentlichkeit nur wenige, lieber werden erst die "Grundlagen der Gesellschaft" in Gefahr gesehen.« (Dietmar Kammerer)nnBeim Stichwort "alternative Nutzungsformen" denkt man gemeinhin an den kleinsten gemeinsamen Nenner: Das besetzte Haus. Nun haben es Initiativen, die sich um freien Wohnraum in urbanem Umfeld bemühen, nicht wirklich leicht. Zu schnell nehmen dabei immer wieder Privat- bzw. Kapitalinteressen Einfluss, wie uns zuletzt in der Kölner Südstadt mit der polizeilichen Räumung des für kurze Zeit besetzten Gebäudes Pingutopia vor Augen geführt wurde. Letztlich wurde das ehemalige Fabrikgelände noch am selben Tag dem Erdboden gleich gemacht, um es als Immobiliengrundstück in Geld umzuwandeln.nnÄhnliche Schemata gibt es auch in den USA – wir erinnern uns alle noch an die von Michael Moore geschickt arrangierten Bildern einstürzender Fabrikgebäude in Flint/Michigan ("Pets or Meat: The Return to Flint"). Dem Klischee nach würde man in Amerika ein noch rigoroseres Vorgehen als hierzulande vermuten, vergleicht man den dortigen Umgang mit dem urbanen Umfeld in Deutschland, so sind die Unterschiede jedoch keine Großen.nn"Burn to Shine" heißt nun ein Ansatz, der verrottende, alte Stadtstrukturen in einen popkulturellen Kontext stellt. Die Idee dazu stammt aus dem Kopf von Brendan Canty (Fugazi), zusammen mit Regisseur Christoph Green plant bzw. realisiert Canty eine Film-Serie von Konzerten, die in vor dem Abriss stehenden Häusern statt finden. Vor und während den Shows werden die jeweiligen Geböude dokumentiert, sozusagen für die Nachwelt erhalten. Im Anschluss an das Konzert wird auch die Zerstörung des Gebäudes gefilmt, das Egebnis auf 45 Minuten zusammengeschnitten und als DVD gebrannt und vertrieben. nn"Burn to Shine 01: Washington DC" wurde gerade erst fertig gestellt, unter den vertretenen Bands finden sich so nette Namen wie Bob Mould, Ted Leo & The Pharmacists, Weird War (ex-Make Up), Q and Not U sowie French Toast (mit James Canty von The Make Up und Jerry Busher von Fugazi). Der zweite Teil wird gerade in Chicago produziert, aus der örtlichen Musikszene haben sich bisher unter anderem Wilco, Shellac, The Ponys und – festhalten – Tortoise zu einer Mitarbeit bereit erklärt. Veröffentlicht wird "Burn To Shine" auf Trixie DVD, den Vertrieb übernehmen Touch and Go Records (in Europa Alive). Der zweite sowie zukünftige Teile werden ab Juli erhältlich sein. Auf das den "Shrinking Cities" der ihnen gebührende Respekt gezollt wird. Und man sieht, dass es durchaus Alternativen gibt.

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