Trentemøller »Fixion« / Review

The Cure heißen jetzt Trentemøller. Und haben eine neue Sängerin. Beim Hören von Fixion, dem neuen Album des dänischen Produzenten Anders Trentemøller, fällt es einigermaßen schwer, nicht das eine oder andere Mal an die Wave-Ikonen zu denken.
Zehn Jahre nach seinem Debüt The Last Resort, mit dem sich Trentemøller erfolgreich als mainstream-tauglicher Club-Melancholiker empfahl, erscheint nun mit Fixion sein viertes Album. Die Welt und insbesondere die Musik Trentemøllers haben sich seither jedoch merklich geändert.
Schon auf seinem Drittwerk Lost, das nur noch bedingt an seine Anfänge in House und Techno anzuknüpfen schien, spielte Trentemøller offensiv mit einem weichen Achtziger-Sound. Live stand ihm da schon längst eine Band zur Seite. Eine Tendenz, die der Däne nun konsequent weiterführt: Der Unterschied zwischen dem soliden Cold-Wave-Rocker wie »Circuits« von Fixion mit den filigran-ambientesken Synthesizertönen von »Missing You« aus dem Jahr 2006 könnte nicht größer sein. Spontan würde man die beiden Stücke nicht dem gleichen Musiker zuschreiben. Andererseits zeichnete Trentemøller schon immer seine Neigung zu Indie- und Gothic-Rock aus, die hin und wieder in Gesangspartikeln, indiekonformen Gitarrenmelodien oder holzig gezupften Basssaiten an die Oberfläche drang. Dieser nostalgische Crossover-Appeal hieß 2006 noch Minimal – oder ließ sich mit diesem Etikett zumindest besser über den Ladentisch schieben.

Fehlender Fortschritt als Vorwurf: ziemlich retro.

Trentemøller durchlief über die Jahre eine Art Häutungsprozess, während dessen er seine Gothic-Prägungen zunächst in Clubmusik sublimierte, um diese anschließend nach und nach in ihren Urzustand zurückzuführen. Darin bloß einen Rückschritt zu sehen, wäre falsch. Das Gestenrepertoire der Achtziger ist im Pop inzwischen so selbstverständlich geworden, dass man auch einfach von einer bewussten Entscheidung für einen Stil sprechen kann. Bei der es unerheblich ist, ob dieser Rückgriff auf Bewährtes womöglich eine Form von Zukunftsangst oder Gegenwartsverweigerung zum Ausdruck bringt. Oder einfach nur den Geschmack von Anders Trentemøller. Und ist der Vorwurf des fehlenden Fortschritts als Idee nicht selbst schon ziemlich retro? Bleibt trotzdem die Frage: Wie viel Hier und Jetzt gibt es auf Fixion zu hören? Lebt das Album von mehr als der Phantasie einer verlorenen Heimat? Die Feuer dort lodern allenfalls kalt.

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