Touchy Mob

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Foto — Diane Vincent

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Ein Mann zwischen Berlin, Rügen und dem Rest der Welt: Ludwig Plaths Weg als Touchy Mob nahm schon manch seltsame Abbiegung. Die erste Tour spielte er in Polen, als Headliner – da hatte er zuvor weder Zeit gefunden, ins große Konzerthandbuch zu schauen, noch überhaupt eine Show zu spielen. Es blieb nicht die einzige überraschende Anfrage aus dem Ausland für einen, der mittlerweile in der Hauptstadt Fuß gefasst hat, seine Musik aber nahe der heimatlichen Ostsee schreibt. Touchy Mob war schon beim SXSW, CMJ oder Incubate zu sehen, hierzulande beim Immergut oder bei der Fusion.

   »Irgendwie macht jeder die Musik, die ihm fehlt«, sagt er. Und sein Verschnitt von Folk und Techno fehlte tatsächlich noch. Die gegensätzlichen Stile bilden nicht die übliche nichtssagende Melange ähnlicher Ansätze. Nein, alles »steht nebeneinander«, so Plath. Live unterlegen dies scharfkantige Brüche des Elektronischen, das so auch als Leerstellenmusik gedacht werden kann, die von der Gitarre nur zögerlich ausgefüllt wird. Vom Akustischen her fungieren die Einschnitte wie Prismen, die die Intensität des mikroskopisch Leisen auf die große Fläche des makroskopisch Lauten werfen. Und durch alles hindurch säuselt ein digitaler Nachhall eines metallischen Unterholzes.

   Ist es also ein Wunder, dass es noch immer kein offizielles Touchy-Mob-Album gibt, trotz dieser Musik, trotz dieser Referenzen? Die Interessenten, auch hartnäckige, sind zwar zahlreich, national wie international, aber die LP-Aufnahme, vermutet Plath, würde bloß seinen Touraktivitäten im Wege stehen, was wiederum halb auf den eigenen Prioritäten, halb auf ökonomischen Zwängen beruht.

   »Let’s bulldoze around till they defy a ban on things«, heißt es im bislang besten Stück, »Foam Born«, das sich langsam an einem hymnischen Basseinsatz aufrichtet. Grenzen einreißen, Spaß haben, so lange wie möglich. Seinen Humor beweist er in den Songansagen – oder im stotternden Afterhour-Nonsens »Ling Ling«: »Ling-ling, geht das Te-te-telefon. Ha-ha-hallo, wer issen da? Eva! Welche Eva? Ey, fahr mal deinen Roller da weg«, usw.

   Ein weiterer Höhepunkt seiner Sets heißt »Atlantic Back«. Es schließt mit einer äußerst ungewöhnlichen Weltumarmungsgeste: »It’s perfect exactly 37° inside me / if every place grows bellicose you can still live inside me.« Wenn die Welt in Zwietracht zerfällt, bleibt uns immer noch der Rückzug in die Musik, hinein in das wohlige Künstler-Ich. Alternativ würde auch Plaths voluminöser Bart genügend Unterschlupf bieten, aber das Haar sollte eigentlich unerwähnt bleiben. Hier, wo das Offensichtliche nebensächlich ist.

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Touchy Mob live
01.09. Berlin — Torstraßenfestival SPEX präsentiert

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