Totally Enormous Extinct Dinosaurs

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Foto — Kim Jakobsen

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Sein erster Wegbegleiter war der Boxman, ein kantig mit einem silbernen Riesenwürfel auf dem Kopf tanzender Mitmusiker. Es folgte Starthilfe von Joe Goddard und dessen Greco-Roman-Label. Dinokostüme wechselten sich mit indianischem Federschmuck ab, später flankierten Tänzerinnen den mittlerweile auch singenden Produzenten auf der Bühne. Das Debütalbum Trouble ist nun der vorläufige Höhepunkt dieser Geschichte des fröhlichen Eskapismus nach Orlando Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs.

   Womit wir schon beim grundsätzlichen Missverständnis dieser Musik wären: Getarnt durch erhöhten Niedlichkeitsfaktor – der Dino quasi als funny cat des Electro – und mittels einprägsamer Gesangsmelodien schummelt der Sohn eines Musikprofessors aus Oxford nämlich die Melancholie zurück auf den Dancefloor. Aus einem klassisch ausgebildeten, aber früh vom HipHop- und Jungle-Fieber gepackten Chorknaben ist ein ernsthafter, sehr bedacht sprechender Mann geworden, der die stets nur kurzzeitige Befriedung einer Clubnacht zum magischen Moment des Pop erklärt: »Tragik heißt nicht unbedingt nur Leiden: Nichts ist von Dauer, aber Melancholie macht süchtig und ist deshalb grundsätzlich ein Teil von Disco.«

   Selig grinsend tanzt die Jugend zu den sich in Innerlichkeiten windenden Stücken, während ihr Autor auf Fotos mittlerweile immer ernster dreinblickt, beinahe missmutig. Als ob er sich die eigens für ihn entworfenen Kostüme und opulenten Kopfbedeckungen ursprünglich nicht selbst ausgedacht hätte und nun darum bitten würde, vom Marketing gewordenen Spiel abzulassen. (Allen im Bild zu sehenden Schmuck brachte denn auch der Fotograf mit.)

   Trouble erscheint nun als Major-Veröffentlichung und darf in diesem Feld als Zeichen des Fortschritts gewertet werden: Zwischen all den Songs, den geforderten Electronica-Pop-Singles, tummeln sich auch handfeste Tracks. So frönt T.E.E.D. Deep-House, Minimal und Techno und führt uns vor Augen, dass gerade in seinem bewanderten, dabei stets neugierigen Eklektizismus die subtile Verführung von Schlüsselstücken wie »Garden« oder »Household Goods« liegt.

   Higginbottom macht also nur böse Miene zum guten Spiel – das er allerdings sehr ambitioniert betreibt. »Gegenwärtig wird die Welt immer kleiner, es gibt immer mehr Musik auf der Welt, aber nur zwei Sounds diktieren alles«, erklärt er und benennt damit den Missstand, gegen den er ankämpft. Bei den Higginbottoms ist Diversität Trumpf. »Es ist großartig, einen versierten Musiker zum Vater zu haben«, frohlockt der Junior. »Mit ihm Schubert zu hören, beeinflusst auf sehr seltsame Weise meine Art, elektronische Musik wahrzunehmen.« Der Spaß wird dabei bestimmt nicht auf der Strecke bleiben, erst recht nicht bei einem bis heute passionierten Jungle-Jünger, der das Schreiben von äußerst tanzbarem Radiopop als seine persönliche »fun challenge« bezeichnet.

   Nachfolgend finden sich die neuen TEED-Termine für November.

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Totally Enormous Extinct Dinosaurs live:
07.09. Berlin — Berlin Festival
19.11. Berlin — Postbahnhof
20.11. Hamburg — Docks
21.11. Frankfurt — Gibson
22.11. Stuttgart — Zapata
25.11. Heidelberg — Halle 02
26.11. München — Muffathalle
27.11. Dresden — Showboxx
29.11. Köln — Live Music Hall

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