Toro Y Moi What For? vs. Shlohmo Dark Red

Quo vadis, Chillwave? Toro Y Moi und Shlohmo arbeiten sich auf What For? und Dark Red weiter an der Meme-Emanzipation ab.

Am Schwanzende der Nullerjahre wurde ein künstliches, Pitchfork-vermarktetes Meme aus dem Boden gestampft, das alsbald seinen ebenso künstlichen Tod fand. Die Protagonisten des sogenannten Chillwave, ganz vorn dabei Chazwick Bundick alias Toro Y Moi, verstreute die Not danach in alle musikalischen Richtungen: Es galt zu beweisen, dass man mehr war als nur ein Trend für die Generation der Instagram-Ästhetiker. Album für Album versuchte der talentierte Mr. Bundick sich vom Chillwave-Stempel zu emanzipieren. Dabei ließ er immer wieder unverfroren durchhören, welche Perle er gerade aus einer Plattenkiste gefischt hatte, um sie begeistert und meist ebenso gekonnt nachzuahmen. Ganz wahllos waren die Referenzen dennoch nicht: Die um Italo und House kreisenden Interessen mündeten bereits 2010 im Nebenprojekt Les Sins. Seine Liebe zum rundbäuchigen Disco-Beat hat Bundick aktuell wohl bei Les Sins abgeladen, um sich nun einer Toro-Y-Moi-LP zu widmen, der nahezu vollständig der Tanzboden unter den Füßen weggezogen wurde.

Auf What For? regieren, unterstützt von Unknown Mortal Orchestras Ruban Nielson und Julian Lynch, mal lässig aus dem Handgelenk geschrammelte Funk-, mal pathetisch aufheulende Glam-Gitarren und Basslinien, auf die Motown-Veteran James Jamerson wenn schon nicht neidisch, so zumindest anerkennend geblickt hätte. Darüber fliegt, quietschbunt wie die Beatles über ihr Unterseeboot, Bundicks Gesang. Und ganz wie in alten Chillwave-Zeiten wurde nicht nur die Stimme durch viele Schichten Delay und Phaser gepresst. Was das Songwriting betrifft, hat Bundick eindeutig die Brian-Wilson-Schule absolviert und setzt auf elegant gestapelte Harmonien mit Texten, die sich selbst vor Kaugummilyrik nicht scheuen. Aber ein guter Meister macht noch keinen guten Gesellen. Den Songs fehlt etwas, woran man sich festhalten könnte, etwas, das nicht sofort abperlt. Alles verschwimmt im psychedelischen Nebel. Und so bohrt sich letztlich eher der suggestivfragende Albumtitel ins Gedächtnis: Nun, lieber Chazwick, What For?

Shlohmo - Dark Red - Album

Eine gänzlich andere Entwicklung machte Chillwave-Kollege Shlohmo durch. Schon immer mehr Frickler als Frontmann, versucht sich Henry Laufer nach vereinzelten EPs und Produzenten-Credits unter anderem für Banks nun an seinem dritten Album. Das Urteil zu Dark Red ist schnell gefallen: Vielleicht ist die 7-Inch das geeignetere Format für Laufer. Nach 60 Minuten düster vor sich hin tuckerndem Alternative-R’n’B-meets-Boards-Of-Canada ohne nennenswerte Dynamik oder aufwühlende Klanglandschaften ist die Luft raus und der letzte Rest Aufmerksamkeit endgültig ausgeleiert. Dann doch lieber quietschbunt als dunkelrot.

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