Balam Acab

balam-acab-wander-wonder-cover    Wenn es ein zentrales Verzeichnis der Genre-Benennungen gäbe, beim Eintrag zu Witch House würde man genervt weiterblättern, allein der Namensgebung wegen. Es will ja auch keiner mehr gewesen sein. Zwar mag der letztjährige Hype als laues Lüftchen auf der Strecke geblieben sein, dennoch gibt es abseits der Okkultismus-Fraktion Dinge in diesem musikalischen Dunstkreis zu entdecken, die noch nicht zum Klischee geronnen sind und die aller Gemeinsamkeiten zum Trotz woanders hinwollen. Da wären zum einen sich an das Südstaaten-Hiphop-Derivat Crunk anlehnende und auch mal in Richtung UK-Bass-Musik schielende Rhythmus-Tracks. Und auf der anderen Seite der Drang, in verwunschenem Habitus weit ins Ätherische zu entschweben.

    Zum Darling gewisser Teile der globalen Hipsterwelt wurde schnell das neue Label Tri Angle, das Robin Carolan zwischen London und New York pendelnd ins Leben gerufen hat. Den Terminus Witch House weist man dort weit von sich – zu Recht. Zu diesem Hause gehören How To Dress Well oder oOoOO. Und eben BALAM ACAB. Der ließ mit seiner Debüt-EP See Birds bereits Anfang dieses Jahres aufhorchen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der erst 19-jährige US-Amerikaner Alec Koone, der aus Mechanicsburg in Pennsylvania stammt, eine Welt grüner Suburbs, umgeben von Natur und Shoppingmalls. Ablenkungen gibt es dort für einen Teenager nur wenige. Und so vertrieben sich Alec Koone und seine Freunde die Zeit, indem sie selbst Musik machten – irgendwo zwischen Postrock und Noise. Als Einflüsse nennt er heute Namen wie Animal Collective, J. Dilla und Madlib.

    Nun hat Koone sein erstes Album Wander / Wonder fertiggestellt. Das Cover zeigt die Finsternis einer Höhlenwelt, in die durch eine Felsspalte gleißend helles Licht eindringt – eine ziemlich treffende Visualisierung des Balam-Acab-Sounds. Anders als noch bei der Debüt-EP bestimmen nicht mehr geloopte Rhythmusspuren das Bild. Wander / Wonder ist langsamer, das Album setzt deutlicher auf Klangtexturen und Atmosphärisches denn auf Beats. Geblieben sind die flehenden oder jubilierenden Rave-Elfen. Diese zerschnipselten und wieder neu zusammengefügten Stimmen samples, die Koone – wie einst in den frühen Neunziger Jahren üblich – cartoonhaft hoch gepitcht hat, sind noch immer ein zentrales Element.

    Als Klangreservoir dienen dem 19-Jährigen natürlich die Weiten des Internets. Dort holt er sich seine Stimmen, von dort bezieht er all die anderen Field-Recording-Sounds, die es auf Wander / Wonder mehr denn je grummeln, schnauben, schnaufen, kratzen, rasseln, knistern oder zwitschern lassen. Besonders angetan hat es Koone offenkundig das Wasser. In nahezu jedem Track tropft, plätschert, platscht oder tost das nasse Element. Koone selbst gibt in nur leichter Hybris zu verstehen, dass er seine neue Platte als zusammenhängendes Musikstück betrachtet, in der Tradition einer Cello-Suite von Johann Sebastian Bach. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass diesem jungen Mann mit Wander / Wonder ein höchst erstaunliches Album gelungen ist.

BALAM ACABWander / Wonder | LABEL: Tri Angle | Vertrieb: Kompakt | : 26.08.2011

*


STREAM: BALAM ACAB – Apart

*


STREAM: BALAM ACAB – Motion

*


DOWNLOAD: BALAM ACAB – Oh, Why

*


DOWNLOAD: BALAM ACAB – See Birds (Moon)

3 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here