Toni-L & Safarisounds

Es wäre nicht einmal vermessen, spräche man angesichts gewisser popkultureller Entwicklungen der letzten Jahre von einem leisen Funk-Revival. Gruppen wie die Lefties Soul Connection oder die Daptones arbeiten an einer modernen Garagenversion des tiefen Spätsechziger-Funks der Meters. Jan Delay und seine Band Disko No. 1 versuchen sich mit achtbarem Erfolg daran, den Sound und Geist von Sly & The Family Stone in die Jetztzeit zu übertragen. Und auch der Heidelberger Koch Toni Landomini, seinerzeit mit Advanced Chemistry einer der unbestrittenen Pioniere der deutschsprachigen Hiphop-Landschaft, erinnert sich auf seinem neuen Album »Funk Animal« an seine persönliche Sozialisation zwischen Zulu-Jams und Breakbeats. Dabei werden sowohl AC-Klassiker wie »Heidelberg« oder »Dir fehlt der Funk« als auch modernere Stücke wie »Der Zug rollt« und »Der Funkjoker« einer analogen Behandlung durch Dr. Funkenstein unterzogen. Zusammen mit einigen Neukompositionen ergibt »Funk Animal« eine einstündige Blockparty, bei der Toni L. glaubwürdig die Rolle des klassische Zeremonienmeisters einnimmt. Allerdings wird bei diesem lobenswerten Unterfangen leider auch das eine oder andere soundästhetische Klischee bedient, besonders die so wichtige Rhythm-Section wurde vom Heidelberger Alt-Elektroniker Move D in der Produktion ein klein wenig zu sehr glattpoliert. Zudem wirkt Toni Ls Textvortrag beiweilen doch recht steif und unlässig, zumal er jede Art von Subtilität in seinen Texten vermissen lässt – so kratzt die  ein bisschen naive Medienkritik in »Der Apparat« allenfalls an der äußersten Oberfläche der Thematik, und selbst wenn man einwenden mag, dass eine wissenschaftliche Abhandlung eines solchen Themas in partyorientierter Funkmusik nichts zu suchen hat, so bleibt immerhin die Frage, warum es dann überhaupt angeschnitten werden muss. Dennoch können diese leise Bedenken der insgesamt durchaus spaßigen Platte keinesfalls ihre Berechtigung absprechen, gerade in einer Zeit, in der deutsche Rapalben am Reißbrett entworfen werden und Hiphop für junge Zulus mehr Regelwerk als Freiheit bedeutet.

LABEL: 360° Recordings

VERTRIEB: RTD

VÖ: 01.06.2007

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